Imageanalyse Medical Neurosciences an der Charité Berlin

Ein Gespräch von GATE-Germany mit der Charité Berlin und der artop GmbH

Kurzbeschreibung:
In einer Modelluntersuchung hat der DAAD eine Markt- und Imageanalyse des Master- und Promotions-Studienprogramms “International Graduate Program Medical Neurosciences“ (MedNeuro) an der Charité in Berlin finanziert. Ziel der Programmkoordinatoren war u.a. zu erfahren, wie zufrieden die Studierenden, Absolventen und auch die Dozenten mit dem Programm sind, wie Studierende von MedNeuro erfahren haben und wie marktfähig das Programm ist. Durchgeführt wurde diese Umfrage von der artop GmbH – Institut an der Humboldt Universität zu Berlin.



Seit sieben Jahren studieren und promovieren internationale und deutsche Studierende an der Charité im “International Graduate Program Medical Neurosciences“ (MedNeuro). Grund genug für den Programmkoordinator Lutz Steiner und den Vorsitzenden des Studienkoordinationsausschusses Prof. Dr. Dirnagl, sich über verschieden Fragen klar zu werden, wie zufrieden z.B. die Studierenden, Absolventen und auch die Dozenten mit dem Programm sind? Wie haben Studierende von MedNeuro erfahren? Wie marktfähig ist das Programm? Wer sind eigentlich die Konkurrenten? Pit Witzlack, Geschäftsführer der artop GmbH, hat die Umfrage durchgeführt und hat im Anhang zum Interview ausführlichere Unterlagen zur Verfügung gestellt.

GATE-Germany: Herr Steiner, welche wichtigen Erkenntnisse hat für Sie diese Markt- und Imageanalyse gebracht? Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Steiner: Ja, insgesamt bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Besonders freut mich, wie engagiert sich die Studierenden und Lehrenden am Kick-Off-Workshop und bei der Beantwortung der Umfrage eingebracht haben. Letztlich bestätigt dieses Engagement nochmals eine wichtige Erkenntnis aus der Umfrage: Es besteht ein hoher Grad an Zufriedenheit und Identifikation mit dem Studiengang. Die „gefühlte Unzufriedenheit“, die in der täglichen Arbeit mit Problemfällen entstehen kann, wird hier relativiert. Dennoch ist auch klar, dass wir in der Administration des Studiengangs noch Entwicklungspotential haben. Auch das ist eine wichtige Erkenntnis. Wir werden für diesen Aspekt die Einzelantworten auswerten und konkrete Verbesserungsmöglichkeiten identifizieren.

GATE-Germany: Welche Vorbereitung für diese Markt- und Imageanalyse hatten Sie als Programmkoordinator? Wie viel Zeit hat das Projekt gebraucht?

Steiner: Vom ersten Skizzieren der Idee bis zur Übergabe des Ergebnisberichts durch artop sind 2 Jahre vergangen. Wir hatten zunächst verschiedene Durchführungsmodelle für die Umfrage sondiert: in Eigenregie durch das Studiengangsbüro, mittels Vergabe als Masterarbeitsthema in einem Studiengang für Hochschulmarketing oder eben durch einen professionellen Anbieter wie artop. Letzteres war schließlich möglich, weil der DAAD sich bereit erklärt hat, die Umfrage als Pilotprojekt zu fördern. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Sie!
Die Projektdurchführung an sich dauerte dann ein gutes Jahr: Durchführung eines Kick-Off-Workshops, Entwicklung des Fragenpools, Anschreiben der Stakeholder und schließlich Auswertung der Umfrage und Präsentation der Ergebnisse. Doch auch damit ist die Arbeit nicht getan, sondern eigentlich beginnt sie hier ja erst. Der Umfrage müssen nun ein Maßnahmenkatalog und ein Umsetzungsplan folgen. Der Arbeitsaufwand für den Studiengangskoordinator ist dementsprechend nicht unerheblich.

GATE-Germany: Was denken Sie, ist für andere Hochschulen oder Studiengangskoordinatoren bei ähnlichen Umfragen wichtig zu beachten, um fundierte Antworten zu erhalten?

Steiner: Ich halte 3 Punkte für besonders wichtig: eine frühe, intensive Einbeziehung der Stakeholder in die Projektplanung, zielgruppenspezifische Fragebögen und eine saubere Datenbank mit aktuellen E-Mailadressen der laufenden und ehemaligen Studierenden und der Dozenten.

GATE-Germany: Herr Prof. Dirnagl, hat diese Umfrage für Sie (auch) unerwartete Antworten zu Tage befördert? Haben Sie aufgrund der Umfrage irgendwelche Änderungen (im Curriculum, der Betreuung, der Bewerbung etc.) vorgenommen? Welchen Handlungsbedarf sehen Sie sonst noch – für den Studiengang oder auch für die Charité?

Prof. Dirnagl: Zu großen Überraschungen hat die Umfrage nicht geführt. Dennoch halte ich es im Sinne einer aktiven Qualitätssicherung für wichtig, den Studiengang mittels verschiedener Mechanismen auf seine Stärken und Schwächen hin zu prüfen. Schon die (Zwischen-) Evaluation durch den DAAD, als der Studiengang seiner Zeit noch anschubfinanziert wurde, lieferte wertvolle Hinweise. Natürlich werden wir die Ergebnisse dieser Umfrage nutzen, um den Studiengang weiterzuentwickeln. Insbesondere in den Bereichen Studiengangsadministration sowie Mentoring/ Karriereberatung/ Alumni-Arbeit werden wir entsprechende Maßnahmen erarbeiten. Hier gibt es auch wichtige Anknüpfungspunkte an die Charité als Mutterinstitution. Schließlich haben wir ja einen weiteren, sehr wichtigen Baustein der Qualitätssicherung über die Charité durchgeführt: die Akkreditierung. Auch hier erwarten wir mit Spannung, welche Aspekte des Studiengangs wir überdenken und überarbeiten müssen.

GATE-Germany: Herr Witzlack, Sie haben dieses Projekt durchgeführt. Welche Erkenntnisse sehen Sie als besonders wichtig an?

Witzlack: Die wichtigsten Erkenntnisse, die wir aus diesem Projekt gewonnen, haben ist einerseits die positive Resonanz auf das Image des Studiengangs und die hohe allgemeine Zufriedenheit mit dem Programm. Andererseits hat die Befragung den Wunsch der Studenten nach einem gut funktionierenden Berufs- und Karrierenetzwerk sowie einem Mentoring-Programm verdeutlicht.

GATE-Germany: Welche Empfehlungen leiten Sie aus den Ergebnissen ab?

Witzlack: Ihre Frage betrifft zwei Bereiche: der Studiengang Neurosciences selbst und Hochschulen, die aus dem Prozess und Ansatz lernen wollen. In einem umfangreichen Bericht, dessen wichtige Ergebnisse wir auch für andere Einrichtungen zum Nachlesen zur Verfügung stellen, haben wir spezifische Handlungsempfehlungen für den Studiengang zusammengetragen. Daraus haben wir auch Empfehlungen für anderen Hochschulen abgeleitet und in einem kurzen Dokument gelistet.
An dieser Stelle wäre zum einen wichtig zu betonen, dass sich die Beteiligten im Vorhinein darüber einigen, welches die genaue Fragestellung und Ziele sind, welche mit der Umfrage untersucht werden. Nur dann kann auch eine klare Antwort formuliert werden. Zum anderen ist wichtig, dass für alle Befragten die Ergebnisse ihres Engagements sichtbar werden und sie somit für Veränderungen motiviert werden.

Wir empfehlen, in einem Zeitraum von zwei Jahren in ähnlicher Weise eine Umfrage durchzuführen, um die Veränderungen zu überprüfen.

GATE-Germany: Vielen Dank für das Gespräch.


Zum Nachlesen (Download):

Kurzfassung der Auswertung der Umfrage der artop GmbH - Institut an der Humboldt Universität zu Berlin.


Interesse von GATE-Germany:

Der DAAD hat über GATE-Germany diese Auswertung begleitet und finanziert, weil einige der Erkenntnisse und Ergebnisse auch für andere Hochschulen von Relevanz sind und das Projekt Modell für andere Umfrage sein könnte. Von Interesse war der Prozess und die strategischen Überlegungen, wie an eine solche Untersuchung herangegangen wurde. Weiterhin überlegt GATE-Germany, ob solcherart Analysen qua Inhouse-Dienstleistung bzw. Marketings-Service auf Antrag auch anderen Hochschulen ermöglicht werden kann.

Hintergrund zum Studiengang (www.medical-neurosciences.de):

Das International Graduate Program Medical Neurosciences (MedNeuro) ist ein vom DAAD anschubfinanzierter, internationaler MSc und PhD Studiengang. Er wurde 2002 an der Charité – Universitätsmedizin Berlin eingerichtet und zählt damit zu den ersten strukturierten Graduiertenprogrammen in Deutschland. Heute studieren ca. 40 Master und 60 PhD Studierende im Programm.

Ziel des Studiengangs ist es, die translationale (bech to bedside) Forschung im Bereich Neurowissenschaften voranzubringen. Mediziner und Naturwissenschaftler werden in diesem interdisziplinären und internationalen Programm zusammengeführt. Der Masterabschnitt vermittelt die klinisch relevanten, neurowissenschaftlichen Grundlagen in einer breiten, sehr praxisorientierten Ausbildung. Im PhD-Abschnitt forschen Promovenden über 3 Jahre hinweg an eigenen Projekten. Hierbei sind sie in Arbeitsgruppen eingebunden und werden durch erfahrene Wissenschaftler betreut. Ein Rahmencurriculum mit Vertiefungsseminaren, Kolloquien, Symposien oder Ähnlichem sowie Qualitätssicherungsmaßnahmen in Form regelmäßiger Projektberichte sind ebenfalls Bestandteil der Promotionsphase. Damit soll klinische Forschung professionalisiert und translationale Forschung effektiver werden. Nicht zuletzt soll damit auch der neurowissenschaftliche Nachwuchs für den Standort Berlin ausgebildet werden. 

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