Informationen zur MIND-Studie

Die Gewinnung, Unterstützung und Bindung internationaler Nachwuchswissenschaftler ist eine wichtige wissenschafts- und hochschulpolitische Aufgabe. Für die Hochschulen kommt es darauf an, über eine hohe Qualität in Forschung und Lehre hinaus auch durch Gastfreundlichkeit international attraktiv und konkurrenzfähig zu sein.

 

Über die Situation internationaler Nachwuchswissenschaftler an deutschen Hochschulen gab es bis dato wenige empirische Informationen. Für die Weiterentwicklung der Rekrutierung-, Beratungs- und Betreuungsstrategien sind dies jedoch sehr wertvolle Informationen. Daher hat GATE-Germany beim Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ, heute Teil des DZHW) die MIND-Studie in Auftrag gegeben.

 

 

Ziele der Studie

 

Die MIND-Studie fokussiert auf die Motivation, beruflichen Ziele und die Zufriedenheit internationaler Mitarbeiter, Stipendiaten und Gastwissenschaftler hinsichtlich Lehre, Forschung, Verwaltung sowie sozialem Umfeld. Darüber hinaus untersucht sie, inwiefern sich diese Faktoren auf den Verbleib der Wissenschaftler an ihrer derzeitigen Hochschule und am Wissenschaftsstandort Deutschland auswirken.

 

Basierend auf den empirischen Befunden der Studie soll praxisrelevantes Wissen erzeugt werden, das den Hochschulen hilft, ihre Angebote und Strategien zu optimieren und zielgerichtet auszubauen, um im internationalen Wettbewerb weiterhin an Attraktivität zu gewinnen. Die Studie betrachtet die einzelnen Hochschulstandorte in Deutschland und ihre spezifische Serviceinfrastruktur. Sie adressiert jedoch auch standortübergreifende hochschulpolitisch relevante Fragen zu internationalen Karrieren und möglichen Hindernissen für akademische Mobilität.

Forschungsfragen

  • Was motiviert internationale Wissenschaftler nach Deutschland zu kommen? Wie relevant sind „push“- gegenüber „pull“-Faktoren? Wie bedeutend sind Gelegenheitsstrukturen, instrumentelle Motive (Mobilität als "Karrierefaktor“) oder familiäre Gründe im Vergleich?
  • Wie kommt der Kontakt zu deutschen Hochschulen zustande? Welche Rolle spielen dabei ein vorausgegangenes Studium oder eine Promotion in Deutschland, wissenschaftliche persönliche Kontakte oder strategische Rekrutierungsmaßnahmen der Hochschule?
  • Mit welchen Herausforderungen sind  internationale Wissenschaftler in der Organisation ihres beruflichen und privaten Alltags konfrontiert? Wie werden Unterstützungsangebote der Hochschulen bewertet? Wie wichtig ist im Vergleich zu institutionalisierten Angeboten die informelle Unterstützung durch Kollegen und Freunde aus Deutschland oder aus dem Heimatland?
  • Wie gut gelingt die berufliche und soziale Integration der Wissenschaftler? Inwiefern ist ihre Einbindung eine Frage der Aufenthaltsdauer, der Sprachkenntnisse, der kulturellen Ähnlichkeit oder der Persönlichkeit? 
  • Wie bedeutsam ist die allgemeine Lebensqualität und Attraktivität des Hochschulstandortes für die Zufriedenheit der Wissenschaftler?
  • Welche langfristigen Karriereziele verfolgen sie und welche Faktoren beeinflussen ihren Verbleib im deutschen Hochschul- und Wissenschaftssystem?

Methodisches Vorgehen

Die Studie bedient sich in der Datengewinnung verschiedener methodischer Zugänge. Neben qualitativen Interviews und Workshops umfasst sie eine Onlinebefragung internationaler Wissenschaftler an deutschen Hochschulen.

 

In der Studie wurden zunächst mit Hilfe leitfadengestützter Interviews und Gruppendiskussionen die Erfahrungen internationaler Wissenschaftler an deutschen Hochschulen erschlossen. Die qualitative Vorstudie beschäftigt sich vor allem mit der wahrgenommenen Willkommenskultur in Deutschland und an den Hochschulen, den Motiven internationaler Wissenschaftler in Deutschland zu forschen und zu lehren, sowie der länderübergreifenden Kompatibilität von akademischen Beschäftigungsverhältnissen. Zusätzlich wurden auf einem Workshop mit Mitarbeitern der Akademischen Auslandsämter und Welcome Center Beratungs- und Betreuungsbedarfe der Zielgruppe sowie das Spektrum der vorhandenen Dienstleistungen diskutiert. Die Ergebnisse des Workshops sowie der qualitativen Interviews fanden Eingang in die Entwicklung des Fragebogens für den Onlinesurvey, stellen jedoch auch einen eigenständigen Bestandteil der Studie dar.

 

An diese qualitative Studie hat sich im Frühjahr 2015 eine bundesweite Erhebung bereits promovierter internationaler Wissenschaftler an deutschen Hochschulen durch eine Onlinebefragung angeschlossen. Die Befragung  richtete sich an den akademischen Mittelbau, d.h. bereits promovierte Wissenschaftler mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft an deutschen Hochschulen sowie Gastwissenschaftler und Stipendiaten, die sich nur vorübergehend in Deutschland aufhalten.

 

Die Teilnahme an der Online-Befragung stand allen HRK-Mitgliedshochschulen offen. Die Zielgruppe wurde über die Akademischen Auslandsämter, Welcome Center und Personaldezernate kontaktiert. Zusätzlich wurden über die Alexander von Humboldt-Stiftung und den Deutschen Akademischen Austauschdienst Stipendiaten eingeladen, die sich derzeit an deutschen Hochschulen aufhalten bzw. die ihren Aufenthalt vor Kurzem beendet haben.

 

 

 

Wer wurde befragt?

Die Onlinebefragung richtete sich an internationale Wissenschaftler, die ihre Hochschulzugangsberechtigung außerhalb Deutschlands erworben haben und zum Zeitpunkt der Befragung an einer deutschen Hochschule geforscht und/oder gelehrt haben. Dabei wurden einbezogen:

 

1. Das promovierte haupt- und nebenberufliche wissenschaftliche und künstlerische Personal mit ausländischer Staatsbürgerschaft oder ausländischer Hochschulzugangsberechtigung an deutschen Hochschulen, das zu folgenden Kategorien gehört:

  • Juniorprofessoren, Assistenzprofessoren (übrige W- oder C-Professuren nicht)
  • Wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeiter (Akademische Räte, Oberräte)
  • Dozenten und Assistenten
  • Lehrkräfte für besondere Aufgaben / Lektoren
  • Lehrbeauftragte, Privatdozenten

2. Promovierte Gastwissenschaftler und Stipendiaten mit ausländischer Staatsbürgerschaft oder ausländischer Hochschulzugangsberechtigung, die zum Zeitpunkt der Befragung an einer deutschen Hochschule gelehrt und/oder geforscht haben, bzw. dies bis vor Kurzem getan hatten (Beendigung der Tätigkeit/ des Aufenthalts sollte nicht länger als drei Monate zurückliegen). 

 

Die Zielgruppe dieser Studie wird bislang nicht systematisch in Statistiken erfasst. Zwar liefern die Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes und Daten des Portals Wissenschaft weltoffen erste Hinweise auf den Umfang und die Zusammensetzung der Zielgruppe, erlauben jedoch keine präzisen Angaben zur Größe der Gruppe. Deshalb leistet die Studie einen wertvollen Beitrag um zu quantifizieren, wie viele promovierte internationale Wissenschaftler dauerhaft oder auch nur temporär an deutschen Hochschulen an deutschen Hochschulen forschen und lehren.

 

 

Ergebnisse der Studie

Eine Online-Vollversion der Studie ist hier als Band 12 der GATE-Schriftenreihe zugänglich.