Videomarketing mit dem Smartphone: Vielfalt kreativ festhalten

Bewegtbilder spielen im Hochschulmarketing eine große Rolle. Das Smartphone eröffnet dabei sehr flexible Möglichkeiten.

Autorin: Gunda Achterhold (26. Mai 2020)

Studentin wird mit einem Smartphone gefilmt
© urbazon/iStockphoto

Durch die Corona-Krise hat sich die Zahl der Videoproduktionen an deutschen Hochschulen deutlich erhöht. Auf dem YouTube-Kanal der Ruhr-Universität Bochum erzählen Studierende in einem Screencast von zu Hause aus, was sie vom Sommersemester 2020 erwarten; in der YouTube- Reihe "Coronavirus Unfolded" sprechen Lehrende der Universität Mannheim über die Auswirkungen des Virus auf Gesellschaft und Wirtschaft, und beim Uni-Vlog der Universität Erlangen-Nürnberg #meine FAU ermöglicht das Smartphone in Zeiten von Kontaktbeschränkungen den Dreh in den eigenen vier Wänden.

"Aus aktuellem Anlass laden viele Unis Videos zum Thema hoch", beobachtet Jens Jacob, selbstständiger Filmemacher und Dozent im Bereich Videoproduktion. "Vieles sieht sehr professionell aus, im besten Fall lässt sich kaum unterscheiden, was inhouse produziert worden ist und welche Videos an Externe herausgegeben worden sind."

Es muss schließlich nicht immer das teuer und aufwendig produzierte Video sein. Auf dem GATE-Germany Marketingkongress 2019 gestaltete der Dortmunder einen Workshop zum Thema "Videoproduktion mit dem Smartphone". "Handwerklich ist es nicht so schwierig, kurze Videos für Social Media zu erstellen", so Jacob. "Wichtig ist dabei vor allem, angstfrei an die Sache heranzugehen und Hemmschwellen abzubauen."

Faktor Zeit: Am Anfang reicht die Basisvariante

Am Anfang jeder Videoproduktion steht die zentrale Frage: Welche Zielgruppe will ich erreichen und für welchen Veröffentlichungskanal drehe ich? Jens Jacob unterscheidet drei verschiedene Genres.

  • Die Königskategorie Film auf Hochglanzniveau wird in der Regel extern produziert, beispielsweise als Imagefilm.

  • Webvideos fallen eher in die Kategorie „selfmade“, gerade das macht ihre authentische und sympathische Wirkung aus. Sie erlauben einen Blick hinter die Kulissen, fangen Campusleben ein, stellen Menschen oder Projekte vor.

  • Snack-Content-Videos sind kurze audiovisuelle Formate wie GIFs oder animierte Memes, die in minimalisierter Form maximale Aufmerksamkeit generieren. In Stop-Motion bewegen sich kleine Figuren oder Grafiken hin und her. Sie eignen sich beispielsweise als Call-to-Action („Tap here“) oder für Ankündigungen von Veranstaltungen, die als sekundenkurzes, sich ständig wiederholendes Bewegtbild deutlich eher wahrgenommen werden als ein reiner Text.

Jede der Varianten hat ihre Berechtigung, vom kurzen Teaser auf Instagram oder Facebook bis zum Erklärvideo auf YouTube. Dort können sich Hochschulen mehr Zeit nehmen, um Projekte vorzustellen oder Neuigkeiten zum Studieren in Zeiten von Corona zu platzieren. Während auf YouTube etwa drei Minuten Standard sind, beschränken sich Instagram-Stories auf 15 Sekunden, auf Facebook sollten Filme nicht länger als 30 Sekunden sein. "Idealerweise gibt es nicht ein Video, sondern verschieden lange Versionen, die über verschiedene Kanäle ausgespielt werden und so die Reichweite der Inhalte wechselseitig verstärken", erklärt Jens Jacob.

Auf dieses Potenzial werde im Hochschulalltag aus Zeitgründen jedoch häufig verzichtet, stellte der Dozent im Rahmen des Marketingkongresses fest. Fragen zum zeitlichen Aufwand standen bei den Workshopteilnehmern deshalb ebenso im Vordergrund wie praktische Tipps zum Equipment oder zu Schnittprogrammen. Grob über den Daumen gepeilt sollte man drei bis vier Stunden Aufwand (Planung, Dreh, Schnitt) für ein bis zwei Minuten Web-Video einplanen. Bei Formaten mit nur einer Einstellung kann es auch schneller gehen.

Handy oder professionelle Kamera? Auch eine Frage der Strategie

Die Vorteile der Videoproduktion mit dem Smartphone liegen auf der Hand: Der organisatorische Aufwand hält sich ebenso in Grenzen wie die Kosten für die Ausstattung. Und man hat es immer dabei. Vom Takeover für den Instagram-Kanal bis hin zu Statements bei einer Projektvorstellung oder dem schnellen Dreh am Tag der Offenen Tür – mobile Endgeräte erlauben größtmögliche Flexibilität.

"Smartphone-Videos sind ein schönes Format, weil sie persönliche Einblicke in den Campusalltag geben", stellt Barbara Marie Hofmann von der Zentralen Studienberatung der Universität Konstanz fest. In enger Zusammenarbeit mit der Abteilung Kommunikation und Marketing erarbeitet ihr Team im Rahmen des Projekts KOS (Konstanzer Online Studieninformation) digitale Medienangebote zur Studieninformation. In der Reihe "Drei Fragen an" beispielsweise berichten Studierende von ihrer Studienwahl, über die Inhalte und ihre Pläne, viele von ihnen sind aus dem Ausland nach Konstanz gekommen. Die Interviews werden mit zwei Kameras aufgezeichnet, grundsätzlich wäre das Format jedoch auch für die Produktion mit dem Smartphone geeignet.

"Der Look wäre natürlich ein anderer", sagt Hofmann. Selbst sehr gute Kamera-Apps erreichen nicht die Tiefenschärfe einer professionellen Kamera. Doch es ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Strategie: Ziel des KOS-Teams ist es, mithilfe ihrer inzwischen mehr als 90 Filme der gesamten Universität eine Stimme und ein einheitliches Gesicht zu geben. Die Fachbereiche wiederum sind frei, dieses Angebot über eigene Webbeiträge zu ergänzen ("Physik in drei Minuten").

Die Abteilung Kommunikation und Marketing setzt Smartphone-Filme vor allem im Bereich Social Media ein. Auf dem Instagram-Kanal der Hochschule werden sowohl geplante als auch kurze und spontane Formate ausgespielt. Der Jubelmoment bei der Bekanntgabe der Förderung durch die Exzellenzinitiative wird ebenso geteilt wie eine Momentaufnahme vom Malroboter E-David oder Snack-Content aus der Fahrradwerkstatt. Bei der Wahl des Mediums gibt nicht nur Spontanität den Ausschlag: Smartphone-Aufnahmen im Hochformat passen einfach gut zur charakteristischen Insta-Optik. Die Imperfektion der Aufnahmen entwickelt Charme und betont die Authentizität der Bilder.

 "Handyvideos eröffnen einen kreativen Rahmen und stehen für die Vielfalt und das Potenzial von Universitäten und Hochschulen", findet Barbara Marie Hofmann, und verweist auf den Ersti-Vlog "Getting started" der Kolleginnen und Kollegen an der Hochschule Konstanz (HTWG). In kurzen Videobeiträgen berichten Erstsemester wöchentlich über ihren Einstieg ins Studium. "Ein tolles Beispiel für Do-it-yourself-Videos von Studierenden."

Auch ihr Team plant zurzeit neue Formate und denkt über eine Reihe mit Handyvideos nach. "In der aktuellen Krisensituation sind wir in der Produktion extrem eingeschränkt", erklärt Projektleiterin Hofmann. Smartphone-Videos lassen sich nicht nur mit weniger Aufwand, sondern auch mit weniger Beteiligten umsetzen.

Equipment: Welche Ausstattung brauche ich?

Stabilisierungshilfen wie Stativ oder Handhalterung, Mikrofon und Licht – dieses Zubehör ist essenziell.

Bild und Ton: ergänzen sich gegenseitig. Im Zweifelsfall entscheidet jedoch ein guter Ton über den Erfolg eines Videos, was häufig unterschätzt wird. Ein Mikrofon zum Anstecken leistet hier gute Dienste, die Geräuschkulisse im Hintergrund sollte dennoch mit bedacht werden. Zwei Mikrofone sind in der Regel nicht nötig. Frage-Antwort-Interviews sind in der praktischen Umsetzung anspruchsvoll. Eingeblendete Fragen lösen das Problem sehr leicht und effektiv.

Licht: Zu wenig Licht kann vor allem bei der Videoproduktion mit dem Smartphone ein Problem sein. In abgedunkelten Räumen wie Messen oder Hörsälen reicht das natürliche Licht unter Umständen nicht aus. Zwei Möglichkeiten: Als stationäre Variante eignen sich Softboxen als Aufheller, die rechts und links vom Objekt aufgestellt werden sollten. LED-Headlights lassen sich unterwegs nutzen, sie leuchten jedoch nur das Gesicht aus.

Profi-Kamera-Apps: Viele Smartphones sind bereits mit sehr guten Kamera-Apps ausgestattet. Zusätzliche Apps wie Filmic Pro, MAVIS – Pro Kamera oder 4K-Kamera-Filmmaker Pro bieten zusätzliche Funktionen und erweiterte Einstellungsmöglichkeiten wie manuelle Belichtung, Bildformate oder Weißabgleich und rüsten Smartphones zur hochwertigen Kamera auf.

Snack-Content: Mit Boomerang, einer App von Instagram, lassen sich alltägliche Momente in Form von Mini-Videos einfangen, die vorwärts und rückwärts in Endlosschleife abgespielt werden. Auch Stop-Motion oder Cinemagraph unterstützen die Produktion von Snack-Content.

Videoschnitt-Apps: Eine Allrounder-App mit vielen Funktionen, die sich für iOS- und Android-Smartphones eignet, ist KineMaster. Die App bedient alle Formate, auch Hochformat und Quadrat, die häufig auf sozialen Plattformen eingesetzt werden. Mit der Gratis-App iMovie (nur für iPhone) lässt sich nur Querformat bearbeiten, LumaFusion (ebenfalls nur für iPhone) gilt als Profi-Schnittprogramm. Eine alternative Videobearbeitung für Android-Smartphones oder Tablets ermöglicht PowerDirector.

Kein Zauberwerk: Schnittprogramme sind leicht zu handhaben

Nach dem Dreh wird das Filmmaterial geschnitten, nicht benötigte Abschnitte werden entfernt und die einzelnen Clips exakt angepasst. Über Videoschnitt-Apps geht das auch auf dem Smartphone. "Die ersten Videos müssen nicht perfekt sein", betont Jens Jacob. "Wenn man eine gute Aufnahme mit sauberem Ton hinkriegt, diese schneidet und mit Titeln hinterlegt, ist das im ersten Schritt schon eine gute Basisvariante."

In der Regel gehe es zunächst darum, Studierende oder Forschende mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen zu lassen. Frage-Antwort-Interviews sind kompliziert, Fragen werden daher meistens eingeblendet. Vorteil: Man hantiert nicht mit mehreren Mikrofonen herum und der Beitrag lässt sich leichter schneiden.

In einem weiteren Schritt beginnen Neueinsteigerinnen und -einsteiger damit, Inhaltliches zu visualisieren. So werden beispielsweise Expertenaussagen mit Schnittbildern hinterlegt, die zum Thema passen. Die Herausforderung hier: Während der Ton weiterläuft, werden andere Bilder darübergelegt. "Videoschnitt-Apps leisten da sehr viel, sie sind weitgehend selbsterklärend und leicht zu handhaben", erläutert Jacob.

Wie schnell sich der Umgang mit Schnittprogrammen zumindest grob lernen lässt, erlebten die Workshopteilnehmenden auf dem GATE-Germany Marketingkongress live. Innerhalb von 30 bis 45 Minuten erstellten sie mit ihren Smartphones ein kurzes Impressions-Video.

In 27 Sekunden fängt es die Atmosphäre im Wissenschaftszentrum Bonn ein, lässt eine Teilnehmerin zu Wort kommen und arbeitet dabei mit mehreren Schnittbildern. Worum geht es beim Workshop, wie ist die Stimmung, wo findet er statt? Die wesentlichen Aspekte kommen in aller Kürze vor. Strukturell ist das Video ein klassisches Beispiel für die Nachkommunikation eines Events, sagt Jacob. Wenige Sekunden lang und schnell umgesetzt könne so ein Clip noch am selben Nachmittag über verschiedene Kanäle online gehen.

Für die Teilnehmenden war es eine Praxisübung mit Aha-Effekt. Ein gewisses Feingefühl müsse man natürlich trainieren, räumt der Filmemacher ein. Wer jedoch auch nur einmal selbst geschnitten habe, nehme beim nächsten Mal schon ganz anders auf. "Webvideos selbst zu drehen schult das Auge", stellt er fest.

GATE-Germany Marketingkongress 2019: Impressionen per Smartphone


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Im Rahmen des Workshops "Videoproduktion mit dem Smartphone" erstellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Kurzvideo mit Eindrücken des Marketingkongresses.


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