Interview mit Frau Prof. Dr. Karin Luckey

Weltweit einsetzbar: "Wir machen fit für den internationalen Markt"

Die Hochschule Bremen (HSB) arbeitet eng mit der regionalen Wirtschaft zusammen. Die Hansestadt pflegt seit jeher intensive Handelsbeziehungen in der ganzen Welt. Rektorin Prof. Dr. Karin Luckey treibt die Internationalisierung der anwendungsorientierten Hochschule daher systematisch voran.


Frau Professor Luckey, Sie sind seit 2015 Mitglied des Lenkungsausschusses von GATE-Germany. Was hat Sie dazu bewogen, in dem Gremium mitzuwirken?

Internationalität ist seit mehr als 30 Jahren ein Markenzeichen der HSB, diese Ausrichtung wollen wir weiterentwickeln und als weltoffene, leistungsfähige Hochschule in der internationalen Wissenschaftswelt wahrgenommen werden. Kooperationen und Vernetzung werden auf diesem Weg immer wichtiger.

Was kann das Gremium für den Hochschulstandort Deutschland leisten?

GATE-Germany unterstützt deutsche Hochschulen darin, sich international zu positionieren. Der Lenkungsausschuss übernimmt dabei in erster Linie eine beratende und impulsgebende Funktion. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht die Frage, welche Strukturen Hochschulen brauchen, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Alle Mitglieder des Ausschusses bringen unterschiedliche Hintergründe und individuelle Best Practice-Erfahrungen mit, ein aus meiner Sicht sehr wichtiger Punkt. Denn diese verschiedenen Wahrnehmungen fließen in unsere Gespräche ein, gemeinsam machen wir uns ein Bild. Wir sondieren hochschulpolitisch wichtige Entwicklungen der Internationalisierung und beraten über mögliche Konzepte. Da wir alle aus der Hochschulpraxis kommen, bewerten wir gemeinsam die Wirksamkeit. Mit unserer Einschätzung geben wir dem DAAD also zugleich Input und Rückkopplung mit dem Ziel, passgenaue Angebote für Hochschulen zu schaffen.

Seit 12 Jahren machen Sie sich an der Spitze der HSB für Internationalisierung stark. Wo steht die Hochschule jetzt?

Angehende Fach- und Führungskräfte brauchen internationale Kompetenz und Erfahrung, das sehen wir als ein "Must-have". Etwa 60 Prozent unserer Studierenden gehen für ein bis zwei Semester ins Ausland, da ist viel Bewegung. Zugleich holen wir Menschen aus aller Welt an unsere Hochschule und damit auch in die Region. Mit dem Ausbau von englischsprachigen Studiengängen leisten wir einen Beitrag zur Vermittlung internationaler Kompetenzen und bieten Studieninteressierten einen niedrigschwelligen Zugang. Fast 20 Prozent unserer Studierenden kommen aus dem Ausland – aus 70 Ländern dieser Welt. Diese Vielfalt ist uns wichtig. Interkulturelle Erfahrungen lassen sich auch auf dem Campus "at home" machen, wir setzen dabei sehr stark auf Peer-to-Peer-Netzwerke wie das Kontaktangebot Helping Hands.

Die HSB versteht sich als Impulsgeber für die Regionalentwicklung – wie spielt das mit der Internationalisierung zusammen?

Das sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Die Impulse zu einer stärkeren Internationalisierung gingen vor über 30 Jahren von der Wirtschaft aus, wir reagieren auf konkrete Bedarfe. Bremen ist eine Hansestadt mit sehr internationalen Wirtschaftsbeziehungen in den Unternehmensstrukturen. Konzerne, aber auch Mittelständler aus dem Handel, der Automobilindustrie oder der maritimen Wirtschaft brauchen kulturell und sprachlich qualifizierte Arbeitskräfte, die auch in Asien oder Amerika tätig werden können. Wir bereiten unsere Absolventinnen und Absolventen darauf vor und machen sie fit für den internationalen Arbeitsmarkt.

Corona macht Ihnen da gerade einen Strich durch die Rechnung. Findet internationaler Austausch an der HSB noch statt?

Für unseren anwendungsorientierten Hochschultypus ist das grundsätzlich eine besondere Herausforderung, Praxisprojekte lassen sich eben nicht so einfach digital ersetzen. Die im Curriculum verankerten Auslandssemester wollen wir möglich machen, diesem Anspruch fühlen wir uns verpflichtet. Zu überlegen ist allerdings, wie viel Sinn es eigentlich macht, wenn eine unserer Praktikantinnen in Kolumbien im Homeoffice sitzt. Weltweit sind Unternehmen und Hochschulen im Remote-Modus, deshalb brauchen wir andere Formate.

Woran denken Sie?

Wir müssen mehr aus der Studierenden-Perspektive denken, andere Tempi ermöglichen und flexiblere Passungen finden. Dazu haben wir mit der UAS7-Allianz, einem Zusammenschluss herausragender Hochschulen für Angewandte Wissenschaft in Deutschland, beispielsweise eine transatlantische "Virtual Academy" gegründet. In Zusammenarbeit mit unserer langjährigen Partneruniversität State University of New York bauen wir gemeinsame digitale Lehr- und Lernangebote aus. Auch mit anderen Hochschulen entwickeln wir derzeit digitale internationale "Classroom"-Projekte. Mit unseren internationalen Partnern haben wir "Benchmarkclubs" eingerichtet, experimentelle Räume des Austauschs, in denen wir voneinander lernen wollen.

Prof. Dr. Karin Luckey, Hochschule Bremen
© Hochschule Bremen

Frau Prof. Dr. Karin Luckey ist seit 2008 Rektorin der Hochschule Bremen.

Der GATE-Germany-Lenkungsausschuss

Der Lenkungsausschuss ist das beschlussfassende Gremium von GATE-Germany. Er setzt sich zusammen aus dem Sprecher des Konsortiums Prof. Dr. Joybrato Mukherjee (Präsident des DAAD) und acht Rektorinnen und Rektoren sowie Präsidentinnen und Präsidenten von GATE-Germany-Mitgliedshochschulen. Die Leiterin der Geschäftsstelle Dr. Ursula Maria Egyptien Gad nimmt beratend teil. Der Lenkungsausschuss verabschiedet strategische Richtlinien für die Arbeit des Konsortiums, berät bei der Jahresplanung und entscheidet über die Neuaufnahme von Konsortialmitgliedern.

Wie sehen Austauschformate der Zukunft aus?

Digitale und Blended-Learning-Angebote werden bleiben, auch im Sinne einer "Green Mobility" ist das vernünftig. Wir werden daher die richtige Mischung finden müssen, auch um wettbewerbsfähig zu bleiben. Hochschulen in aller Welt werden da im Moment nicht untätig sein. Wir setzen dabei auf den Austausch mit unseren strategischen Partnern. Unsere gemeinsamen Pilotprojekte verfolgen das Ziel, verlässliche und planbare Konzepte zu entwickeln, die auch in kritischen Situationen Kontinuität gewährleisten.

Sie sind mitten in Ihrer dritten Amtszeit: Auf welche Erfolge im internationalen Hochschulmarketing sind Sie besonders stolz?

Wir sind gerade von der Europäischen Kommission als "European University" grundsätzlich positiv evaluiert worden, darauf sind wir sehr stolz! Diese Auszeichnung ist für uns ein wichtiger Meilenstein, denn wir wollen künftig mehr in strategischen Netzwerken arbeiten. Auch im Verbund mit den UAS7 wollen wir uns weiterentwickeln und in der Ansprache internationaler Zielgruppen Synergien schaffen.

Für mich persönlich ist es besonders schön zu sehen, dass sich die Mobilität in beide Richtungen deutlich erhöht. Auch unsere einheimischen Studierenden entscheiden sich immer häufiger für einen Aufenthalt im Ausland.

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