Weltweit in der ersten Liga: Forschungsallianz mit starken Partnern

Die Technische Universität Dresden trägt auch in den kommenden Jahren das Prädikat „exzellent“. Rektor Prof. Dr.-Ing. Hans Müller-Steinhagen erläutert, wie sich die Auszeichnung auf die internationale Wahrnehmung auswirkt – und wie die TUD die Internationalisierung von Studierenden und Wissenschaftlern weiter vorantreibt.


Herr Professor Müller-Steinhagen, im Juli gab es Grund zum Jubel: Die Technische Universität (TUD) Dresden gehört weiterhin zu den Exzellenzuniversitäten. Was bedeutet diese Auszeichnung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Hochschule?

Der Status als Exzellenzuniversität spielt international eine große Rolle. Seit sieben Jahren werden wir als Exzellenzuniversität gefördert und bemerken seitdem ein deutlich gesteigertes Interesse an unseren Aktivitäten, sowohl in der internationalen Berichterstattung als auch in der globalen Forschungsgemeinschaft. Viele Kooperationspartner hatten uns vorher nicht auf dem Schirm, das hat sich geändert. Die diesjährige Entscheidung ist für uns auch deshalb so wichtig, weil es sich um eine dauerhafte Förderung handelt. Das ist nicht nur für unsere Universität ein außerordentlich großer Erfolg, sondern für den gesamten Wissenschaftsstandort Dresden.

Mit dem Verbund DRESDEN-concept verfolgt die TUD ein Standortmarketing besonderer Art. Inwiefern bringt die Vernetzung auf lokaler Ebene auch die Internationalisierung voran?

Dresden zeichnet sich durch eine hohe Dichte an universitärer und außeruniversitärer Spitzenforschung aus. In der Zusammenarbeit mit den vielfältigen Forschungs- und Kultureinrichtungen im Rahmen von DRESDEN-concept koordinieren wir eine gemeinsame Wissenschaftsstrategie für die Region, beispielsweise indem wir teure wissenschaftliche Infrastrukturen gemeinsam nutzen. Im Verbund werden wir nach außen sichtbarer, das stärkt den Wissenschaftsstandort Dresden auch international. In den vergangenen Jahren ist es uns gelungen, weltweit führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Dresden zu holen. Zugleich stellen wir fest, dass unser Beispiel weitreichende Aufmerksamkeit erzeugt – gewissermaßen als Blaupause. Wir werden häufig eingeladen, DRESDEN-concept auch auf internationalen Tagungen vorzustellen.

Wie lässt sich ein Bewusstsein für den Stellenwert der Internationalisierung auch in der Stadtgesellschaft verankern?

In Biomedizin und Bioengineering spielt Dresdner Forschung weltweit in der ersten Liga, auch der größte Mikroelektronik-Cluster Europas ist hier angesiedelt. Vor zwei Jahren hat der Forschungsverbund DRESDEN-concept zusammen mit der Landeshauptstadt Dresden eine Wissenschaftsausstellung mitten in der Dresdner Altstadt präsentiert. Es war eine Freude zu sehen, wie groß das Interesse der Einheimischen und der Touristen an diesem interaktiven Open Air war! Insgesamt zwölf aktuelle Themenfelder hatten wir aufgegriffen, von medizinischer Spitzenforschung über Materialwissenschaften bis hin zu Kultur und gesellschaftlichem Wandel. Bis in den späten Abend hinein waren Besucher vor der Frauenkirche unterwegs, beschäftigten sich an den Displays mit Fragen des taktilen Internets oder ertasteten Carbonbeton. Unser Ziel, die Bevölkerung zu erreichen und sie für den Wissenschaftsstandort Dresden zu begeistern, haben wir auf jeden Fall erreicht. Anschließend ging die Ausstellung weiter auf die Reise an das King’s College London, nach Breslau und Prag.

Dresdens Ruf leidet unter rechtsradikalen Strömungen. Was bedeutet das für das internationale Renommee der Stadt als Wissenschaftsstandort?

Ich habe mich mehrfach deutlich gegen Fremdenfeindlichkeit, für Weltoffenheit und Toleranz positioniert – und habe sehr viele positive Rückmeldungen darauf erhalten. Doch es ist leider so: Etwas Gutes aufzubauen dauert viele Jahre, es zu schädigen geht schnell. Im Marketing ist das eine Gratwanderung. Entscheidend für uns als Hochschule ist, dass wir die Fakten in den Vordergrund stellen. Wir können mit Sicherheit sagen, dass internationale Studierende und Wissenschaftler auf dem Campus sicher sind. Parallel zu unseren eigenen Abfragen unter Studierenden und Wissenschaftlern haben wir zusammen mit den DRESDEN-concept-Partnern eine Hotline eingerichtet. In drei Jahren erreichten uns etwas mehr als ein Dutzend Anrufe, nur wenige tatsächlich wegen diskriminierender Belästigungen.

Wie hoch ist der Anteil internationaler Studierender und Wissenschaftler an der TUD?

Aktuell sind es 15 Prozent unter den Studierenden und 17 Prozent der Wissenschaftler. Und ich sage ganz klar: Damit sind wir nicht zufrieden. Für hervorragende wissenschaftliche und akademische Arbeit brauchen wir noch mehr Wissenschaftler und Studierende aus dem Ausland. Wichtig wären unter anderem mehr englischsprachige Studiengänge, da ist noch viel Luft nach oben. Aber wir sind auf einem guten Weg, auch was die Willkommenskultur an der TUD betrifft – das beginnt bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie der Beschilderung auf dem Campus. In Weiterbildungen qualifizieren wir unser Verwaltungspersonal, so dass jeder auch in englischer Sprache kommunizieren kann und in der Lage ist, mit verschiedenen Kulturen umzugehen. Einen großen Schritt weiter gehen wir auch im Hinblick auf internationale strategische Partnerschaften, die ein signifikanter Teil des Antrags auf Exzellenz waren.

Was planen Sie?

Die erfolgreiche Forschungsallianz mit dem King’s College London wollen wir künftig noch effektiver nutzen. Das 2015 gestartete Modell des transCampus London-Dresden setzt auf gemeinsame Ressourcen, Professoren, die an beiden Standorten tätig sind, bis hin zu Doktorandenprogrammen. Wie attraktiv diese stärkere Internationalisierung und die Assoziation hochrangiger Spitzenuniversitäten ist, erleben wir bei der Berufung neuer Professoren. Doch auch bei Studierenden und Nachwuchswissenschaftlern ist das Interesse groß. Es ist eben ein tolles Gefühl, in so einem internationalen Umfeld zu arbeiten! Wir werden das Konzept daher an zwei, drei weiteren Standorten auch außerhalb Europas ausbauen. In Kürze reise ich beispielsweise zu Gesprächen nach Shanghai.

Welche Rolle spielt GATE-Germany in diesem Zusammenhang?

Das Konsortium ist ein ganz wichtiges Instrument, weil es Hintergrundwissen zu Hochschulen und Wissenschaftssystemen bereithält und zusätzliche Informationen gibt, die über die eigenen Erfahrungen im internationalen Hochschulmarketing hinausgehen. Hochschulen profitieren davon, wenn sie über den eigenen Tellerrand hinausblicken. Auch die Konferenzen am DAAD-Standort in Bonn halte ich deshalb für einen wichtigen Service, weil hier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Hochschulen zusammenkommen und sich austauschen können. Letztlich müssen wir schauen, wie wir gemeinsam weiterkommen. Nicht jeder für sich allein, sondern als Wissenschaftsstandort Deutschland.

Interview: Gunda Achterhold (August 2019)

© Robert Lohse

Prof. Dr.-Ing. Hans Müller-Steinhagen ist Rektor der Technischen Universität Dresden und seit 2018 Mitglied des GATE-Germany-Lenkungsausschusses.

Der GATE-Germany-Lenkungsausschuss

Der Lenkungsausschuss ist das beschlussfassende Gremium von GATE-Germany. Er setzt sich zusammen aus der Sprecherin des Konsortiums Prof. Dr. Margret Wintermantel (Präsidentin des DAAD) und acht Rektorinnen und Rektoren sowie Präsidentinnen und Präsidenten von GATE-Germany-Mitgliedshochschulen. Die Leiterin der Geschäftsstelle Dr. Ursula Maria Egyptien Gad nimmt beratend teil. Der Lenkungsausschuss verabschiedet strategische Richtlinien für die Arbeit des Konsortiums, berät bei der Jahresplanung und entscheidet über die Neuaufnahme von Konsortialmitgliedern.