Duales Studium als Erfolgsmodell: Internationale Kooperationen steigern die Sichtbarkeit

Die Studienangebote deutscher Hochschulen für angewandte Wissenschaften stoßen auf großes Interesse bei Partnern im Ausland. Prof. Dr. Andreas Zaby, Präsident der HWR Berlin, über die Herausforderung, die angewandte Lehre internationaler auszurichten.


Herr Professor Zaby, Sie sind noch recht neu im Lenkungsausschuss von GATE-Germany. Welchen Eindruck haben Sie von der Arbeit des Gremiums gewonnen?

Bislang war ich bei einem Treffen dabei und bin sehr angetan von der professionellen und strukturierten Arbeitsweise. Die Mitglieder dieses Gremiums verstehen sich als Service-Anbieter für Hochschulen in Deutschland und brennen für das Thema – alle sind mit viel Herzblut dabei.

An der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) treiben Sie die Internationalisierung stark voran. An keiner anderen deutschen Fachhochschule sind so viele Studierende aus dem Ausland vertreten. Wie haben Sie das erreicht?

Austausch funktioniert immer wechselseitig, daher setzen wir stark auf einen hohen Anteil englischsprachiger Lehrender. Man muss eben auch bereit sein, internationale Studierende in großer Zahl aufnehmen zu können. Speziell BWL-Veranstaltungen werden an der HWR Berlin komplett auch auf Englisch angeboten, unsere wirtschaftswissenschaftlichen Masterstudiengänge sind fast ausschließlich englischsprachig, das hat sehr geholfen. Umgekehrt sorgen wir dafür, dass unsere Studierenden ihre Auslandsaufenthalte gut planen können. Die Curricula beinhalten Mobilitätsfenster, die Prozesse sind klar strukturiert und über Learning-Agreements stellen wir sicher, dass im Ausland erbrachte Kurse auch anerkannt werden. Nicht zu vergessen sind die Lehrenden und unsere Mitarbeiter in der Verwaltung: Sie sind es, die im Alltag mit Studierenden und Wissenschaftlern aus dem Ausland umgehen und sie bei den ersten Gehversuchen an einer fremden Hochschule unterstützen. Es ist uns wichtig, dass sie selbst internationale Erfahrung mitbringen. Wir koppeln Mobilitätsprogramme wie Erasmus+ mit Sprachkursen für Hochschulmitarbeiter und haben ein Weiterbildungszertifikat entwickelt, das sehr gut angenommen wird.

Für einen regen Austausch brauchen Sie Partner. Wie bekannt ist denn das Prinzip der deutschen Fachhochschule im Ausland?

Aktuell erleben wir einen Boom, die internationale Aufmerksamkeit ist hoch. Viele Delegationen aus europäischen Ländern, aber auch aus China, Japan oder den USA reisen an und wollen lernen, was das Besondere an unserem Studienangebot ist. Vor allem das duale Studium deutscher Prägung wird mit großem Interesse verfolgt. Aktuell haben wir beispielsweise die großartige Chance, unser Modell mitten im Herzen Amerikas vorzustellen. Im Rahmen des UAS7-Projekts „Skills and Employability (Made) in Germany“ ist eine Roadshow mit Veranstaltungen an fünf Universitäten in Alabama, Indiana, Kansas, South Carolina und Pennsylvania geplant. Vertreter der sieben Verbundhochschulen sind mit dabei und erklären das Konzept „Duales Studium“ an Beispielen aus der Praxis. Studierende und Young Professionals sprechen wir mit dieser Veranstaltungsreihe ebenso an wie Vertreter aus der Wirtschaft oder Lehrende. Praktika, Forschungsprojekte und Auslandsaufenthalte sind Talentschmieden für angehende Führungskräfte. Auf sogenannten „Skill Fairs“ informieren wir im Rahmen der „Employability“-Reihe über Möglichkeiten und Angebote.

Welche Bedeutung haben Netzwerke wie die UAS7-Allianz für die Internationalisierung deutscher Hochschulen?

Alle sieben Fachhochschulen bringen unterschiedliche Kompetenzen und Schwerpunkte an einen Tisch, als Einzelhochschule lässt sich dieses Spektrum gar nicht abbilden. Seit 2005 ist unser Bündnis mit einem gemeinsamen Verbindungsbüro in New York vertreten und seit 2013 haben wir auch im brasilianischen São Paulo eine Adresse, wenn auch kein dauerhaft besetztes Büro – doch wir tragen der großen Bedeutung Südamerikas für die internationale Forschungszusammenarbeit damit Rechnung. Als Allianz sind wir an strategisch wichtigen Standorten deutlich sichtbar, nehmen gemeinsam repräsentative Aufgaben wahr und arbeiten eng mit Verbünden im Ausland zusammen. Wichtige Partner sind für uns die Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser (DWIH). Sie sind im Gastland bestens vernetzt und bieten Hochschulen exzellente Kooperationsmöglichkeiten. Im DWIH New York kommt zum Beispiel die gesamte Community aus Wissenschaft, Wirtschaft und Hochschulen zusammen. Diese vielfältigen Vernetzungen und Impulse zu allen drängenden Fragen und Innovationen der Gegenwart kann selbst ein Verbund in dieser Form nicht darstellen. Hochschulvertreter finden hier leicht Zugang zu allen relevanten Gruppen am Standort.

Haben Fachhochschulen bei der Gewinnung internationaler Studierender und Wissenschaftler einen besonders schweren Stand?

In der internationalen Forschungszusammenarbeit, insbesondere bei großvolumigen Vorhaben, gibt es einige Herausforderungen. Die Professorinnen und Professoren an Fachhochschulen sind sehr stark in der Lehre engagiert, zudem können sie derzeit noch seltener auf die Unterstützung von Doktorandinnen und Doktoranden bauen, als dies an den Universitäten der Fall ist. Bei der Lösung eines unserer größten Probleme bietet uns die Internationalisierung jedoch durchaus Chancen: Für Fachhochschulen wird es zunehmend schwierig, geeignete Lehrende zu gewinnen, vor allem in den MINT-Fächern. Wir brauchen Menschen mit Promotion, die hervorragend wissenschaftlich qualifiziert sind und zugleich substantielle Praxis-, insbesondere Industrieerfahrung mitbringen – in der Wirtschaft finden viele mit dieser Doppelqualifikation erheblich attraktivere Gehaltsangebote. Im Ausland ist dieses Anforderungsprofil noch weitgehend unbekannt. Ich könnte mir gut vorstellen, mit der Unterstützung von GATE-Germany und dem DAAD potenzielle Bewerberinnen und Bewerber stärker und gezielter anzusprechen, um künftig mehr Nachwuchskräfte für Professuren aus dem Ausland zu gewinnen.

Interview: Gunda Achterhold (26. März 2019)

© HWR Berlin

Prof. Dr. Andreas Zaby ist Präsident der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin), Vorsitzender des international ausgerichteten Fachhochschul-Verbundes UAS7 und seit Juli 2018 Mitglied des GATE-Germany-Lenkungsausschusses.

Der GATE-Germany-Lenkungsausschuss

Der Lenkungsausschuss ist das beschlussfassende Gremium von GATE-Germany. Er setzt sich zusammen aus der Sprecherin des Konsortiums Prof. Dr. Margret Wintermantel (Präsidentin des DAAD) und acht Rektorinnen und Rektoren sowie Präsidentinnen und Präsidenten von GATE-Germany-Mitgliedshochschulen. Die Leiterin der Geschäftsstelle Dr. Ursula Maria Egyptien Gad nimmt beratend teil. Der Lenkungsausschuss verabschiedet strategische Richtlinien für die Arbeit des Konsortiums, berät bei der Jahresplanung und entscheidet über die Neuaufnahme von Konsortialmitgliedern.