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Gate-Germany

Länderprofil Polen

Polen ist ein bedeutender Hochschulmarkt mit sehr gut qualifizierten Studierenden, die oft in den MINT-Fächern besonders stark sind. Die aktive Förderung der Internationalisierung von Forschung und Lehre durch die polnische Wissenschaftspolitik und die Vielzahl bestehender deutsch-polnischer Projekte unterstreichen das große Potenzial der Zusammenarbeit. Diese Publikation bietet Ihnen Einblicke und Praxistipps zur Studierendengewinnung, zur Etablierung nachhaltiger Kooperationen sowie zu aktuellen Herausforderungen und Chancen.

© AdobeStock/udmurd
Mit den Länderprofilen bietet GATE-Germany deutschen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen Hintergrundinformationen zu internationalen Hochschulmärkten und unterstützt sie bei der regionalspezifischen Optimierung ihrer Marketingaktivitäten.

Zahlen und Fakten für Ihr Marketingwissen

In dieser Rubrik finden Sie ausgewählte Basisinformationen und statistische Angaben zur Einordnung Polens als Hochschulmarkt. Sämtliche Quellen sind als Fußnoten am Ende der Rubrik angegeben.

Recherche: Sabine Giehle

Allgemeines

Offizieller Staatenname: Republik Polen1

Politisches System: Polen ist eine parlamentarische Republik mit semipräsidentiellem Regierungssystem. Staatspräsident, Parlament und Ministerrat sind die obersten Staatsorgane. Der Staatspräsident wird direkt gewählt. Das Parlament besteht aus zwei Kammern: Sejm mit 460 Abgeordneten (Verhältniswahl) und Senat als Vertretung regionaler Gebietskörperschaften mit 100 Senatorinnen und Senatoren (Mehrheitswahl). Der Ministerrat wird vom Präsidenten ernannt und vom Parlament bestätigt. Der Premierminister leitet die Regierung.2

Einwohnerzahl: 36,7 Millionen (2023)3

Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf: 22.057 US-$ (2023)4

Human Development Index: Rang 36 von 193 (2022)5

Hochschulbildung und Wissenschaft

Bevölkerung zwischen 15 und 24 Jahren: 3,8 Millionen (2023)6

Eingeschriebene Studierende: 1,2 Millionen (2023/2024)7

Immatrikulationsquote: 75,3 % (2022)8

Öffentliche Bildungsausgaben (Anteil am BIP): 4,7 % (2021)9

Ausgaben für Forschung und Entwicklung (Anteil am BIP): 1,4 % (2021)10

Academic Freedom Index: 0,87 (2024; Index von 0–1). Damit gehört Polen zu den Top 10–20 Prozent der weltweit untersuchten Staaten.11

Anzahl tertiärer Bildungseinrichtungen: 359 (2025)12

Polnische Hochschulen im Überblick

© RAD-on, National Information Processing Institute, März 2025

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Grundinformationen zum Hochschulsystem:13

Die tertiären Bildungseinrichtungen werden in Polen im Wesentlichen in akademische und berufsbildende Hochschulen unterteilt. Akademische Hochschulen beziehungsweise Universitäten können Studiengänge auf Bachelor-, Master- und Promotionsniveau anbieten, während berufsbildende Hochschulen ausschließlich praxisorientierte Studiengänge bis maximal zum Masterniveau durchführen.

Die Mehrzahl der insgesamt 359 polnischen Hochschulen ist in privater Hand, die klare Mehrheit der Studierenden jedoch an den staatlichen Hochschulen eingeschrieben. Bei den privaten Hochschulen handelt es sich meist um kleinere Einrichtungen und häufig bieten sie ausschließlich Bachelorstudiengänge an.

Eine Übersicht mit englischsprachigen Profilen polnischer Hochschulen findet sich auf der Website der Kampagne „Ready, Study, Go! Poland“. Die Bildungsstiftung Perspektywy führt jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der polnischen Rektorenkonferenz eine Bewertung der polnischen Hochschulen durch und veröffentlicht die Ergebnisse in einem Ranking auf ihrer Website.

Die Regelstudienzeiten in Polen betragen für ein Bachelorstudium („licencjat“, in technischen Studienfächern „inżynier“) sechs bis sieben Semester, für ein Masterstudium („magister“) weitere drei bis fünf Semester, in bestimmten Studiengängen bis zu zwölf Semester. Für eine Promotion wird eine Dauer von drei bis vier Jahren angesetzt.

Das akademische Jahr startet am 1. Oktober und endet im Juni. Es teilt sich in zwei Semester.

Das Studium an öffentlichen Hochschulen ist für EU-Bürgerinnen und -Bürger kostenfrei. Private Institutionen dagegen erheben Studiengebühren.

Für Forschung sind in erster Linie die Institute der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) sowie eigenständige Forschungseinrichtungen zuständig. Teilweise bieten sie auch die Möglichkeit zur Promotion an. Im Rahmen eines Exzellenzwettbewerbs wurden zudem zehn Hochschulen ausgewählt, die sich zu Forschungsuniversitäten umstrukturieren sollen und dafür von 2020 bis 2026 Fördermittel erhalten. Im Bereich Forschung und Entwicklung ist insbesondere das Łukasiewicz Research Network aktiv, ein 2019 gegründeter Zusammenschluss industrienaher staatlicher Forschungsinstitute, der unter anderem wissenschaftliche Auftragsforschung für Unternehmen durchführt.

Mobilitätspotenziale

Polnische Studierende im Ausland: ca. 24.900 (2022)14

Polnische Studierende im Ausland 2018–2022

© UNESCO Institute for Statistics (UIS)

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Beliebteste Zielländer polnischer Studierender: (2022)15

  1. Vereinigtes Königreich
  2. Deutschland
  3. Dänemark
  4. Frankreich
  5. Österreich

Anteil Englisch lernender Schülerinnen und Schüler in Polen: 96 % (2023/2024)16

Anteil Deutsch lernender Schülerinnen und Schüler in Polen: 36 % (2023/2024)17

Die Gesamtzahl der Deutschlernenden in Polen lag 2020 bei rund 1,95 Millionen. Sie ist zwar rückläufig, jedoch noch immer die größte weltweit. Über 100 Schulen in Polen sind Teil des PASCH-Netzwerks.18

Polnische Studierende an deutschen Hochschulen: 3.964 (Wintersemester 2023/2024, nur Bildungsausländerinnen und -ausländer)19

Polnische Studierende in Deutschland – Entwicklung

© Wissenschaft weltoffen

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Angestrebte Abschlüsse polnischer Studierender in Deutschland

© Wissenschaft weltoffen, Wintersemester 2023/2024

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Beliebteste Fächergruppen polnischer Studierender in Deutschland

© Wissenschaft weltoffen, Wintersemester 2023/2024

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Anzahl bestehender Hochschulkooperationen zwischen Polen und Deutschland: 1.493 (März 2025)20

Hochschulzugangsberechtigung für Deutschland:

Die polnische Hochschulreife ermöglicht in der Regel auch den direkten Zugang zu deutschen Hochschulen. Einschränkungen gelten lediglich bei fachorientierten Sekundarschulabschlüssen, da diese zumeist nur als fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung anerkannt sind. Informationen zu den Regelungen finden sich in der Datenbank anabin oder der DAAD-Zulassungsdatenbank.

Marketingkanäle und -formate

Meistgenutzte Social-Media-Kanäle:

Verschiedene Erhebungen privater Anbieter nennen Facebook und YouTube als derzeit führende Social-Media-Plattformen in Polen.21 Daneben sind nach aktueller Einschätzung der DAAD-Außenstelle Warschau für das Hochschulmarketing auch Instagram, TikTok und LinkedIn relevant.

Wichtige Hochschulmessen:

  • Poland International Education Fair der Stiftung Perspektywy
  • Education Fair Poznań der Grupa MTP

Konkrete Hinweise zu Marketingmöglichkeiten finden Sie im Interview mit der DAAD-Außenstelle und in den Tipps zur Studierendengewinnung.

Ob GATE-Germany aktuell Beteiligungen an Hochschulmessen oder Online-Hochschulpräsentationen in Polen anbietet, sehen Sie in unserer

Länderübersicht.

Quellen

Interview mit der DAAD-Außenstelle

Junge Menschen in Polen sind motiviert, diszipliniert und in den MINT-Fächern besonders stark, Deutschland ist für viele Studieninteressierte ein attraktives Zielland. Mit ihren Bedürfnissen und Erwartungen kennt sich die DAAD-Außenstelle Warschau sehr gut aus. Seit 2020 wird sie von Dr. Martin Krispin geleitet, Maria Szrajber-Czerwińska ist die dortige Beauftragte für Kommunikation und Marketing. Im Interview erläutern sie, warum deutsche Hochschulen in Polen aktiv sein sollten, und geben Tipps für ein erfolgreiches Marketing.

Polen ist ein Hochschulmarkt voller Talente.
Dr. Martin Krispin, Leiter der DAAD-Außenstelle Warschau
Dr. Martin Krispin, Leiter der DAAD-Außenstelle Warschau, und Maria Szrajber-Czerwińska, Beauftragte für Kommunikation und Marketing, stehen im Büro vor einem Roll-up

© DAAD

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Polen ist ein bedeutender Hochschulmarkt mit vielen talentierten und engagierten Studierenden. Sie zeichnen sich durch Disziplin, gute fachliche Qualifikationen sowie sehr gute Englischkenntnisse aus. Zudem bestehen bereits zahlreiche deutsch-polnische Hochschulkooperationen.
  • Viele polnische Studierende interessieren sich für Deutschland, weil – im Gegensatz zu beliebten Alternativen wie dem Vereinigten Königreich oder den Niederlanden – keine Studiengebühren erhoben werden. Zudem gilt Deutschland als attraktiver Arbeitsmarkt mit guten Verdienstmöglichkeiten und geografischer Nähe zu Polen.
  • Die effektivsten Kanäle zur Gewinnung polnischer Studieninteressierter sind Social-Media-Plattformen wie YouTube, Instagram, TikTok, Facebook, bei Masterstudierenden und Promovierenden auch LinkedIn. Testimonials von Studierenden erhöhen die Glaubwürdigkeit. Eine übersichtliche englischsprachige Hochschulwebsite mit klaren Ansprechpersonen ist ebenso wichtig.
  • In Polen sind Eltern stark in die Entscheidung für ein Studium eingebunden und informieren sich oft selbst in den Sozialen Medien. Daher sollten deutsche Hochschulen gezielt auch Eltern ansprechen, etwa durch spezielle Beratungsangebote oder klare Informationen zu Standort, Betreuung und Karriereperspektiven.
  • Eine Herausforderung für polnische Studieninteressierte besteht in Bewerbungsfristen deutscher Hochschulen und in teils nicht digitalisierten Bewerbungsverfahren.

Das Interview ist im April 2025 im Online-Magazin von GATE-Germany erschienen. Lesen Sie dort den gesamten Text.

Tipps zur Studierendengewinnung

Was motiviert polnische Studierende für einen Deutschlandaufenthalt? Auf welche Herausforderungen stoßen sie dabei und wie können deutsche Hochschulen sie gezielt informieren und unterstützen? Expertinnen und Experten vor Ort berichten aus ihrer Arbeitserfahrung.

Autorinnen: Miriam Hoffmeyer, Clara Krug

Porträtfoto Katarzyna Kosylak
Lehrerinnen und Lehrer sind entscheidende Multiplikatoren.
Katarzyna Kosylak, stellvertretende Leiterin der DAAD-Außenstelle Warschau

Statement lesen

“Deutschland genießt in Polen einen exzellenten Ruf als Studienland, vor allem wegen der hohen Ausbildungsqualität und der geringen Studiengebühren. Nach dem Brexit ist Deutschland als Ziel noch attraktiver geworden. Bei der Auswahl einer konkreten Hochschule orientieren sich polnische Studierende und ihre Eltern stark an Rankings. Kleinere deutsche Hochschulen sollten ihre individuellen Stärken betonen – etwa die persönliche Betreuung, eine praxisnahe Ausbildung oder die enge Branchenvernetzung.

Bei Formalitäten unterstützen

Den Weg an eine deutsche Hochschule nehmen viele junge Polinnen und Polen als kompliziert wahr. Unterschiedliche Bewerbungsverfahren, unklare Zuständigkeiten und komplexe Anerkennungsregeln für fachgebundene polnische Schulabschlüsse sorgen für Unsicherheit. Die Informationen zu Bewerbungsprozess und weiteren Formalitäten sind selbst für deutsche Muttersprachler oft schwer zu verstehen – und für Nichtmuttersprachler ergibt sich daraus schnell eine Sprachbarriere.

Hier können deutsche Hochschulen gezielt unterstützen. Klare, mehrsprachige Informationen zu Bewerbungsverfahren, Fristen und etwa Wohnheimplätzen sind essenziell. Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern sind entscheidende Multiplikatoren, um potenzielle Studierende frühzeitig zu erreichen. Dabei spielen die Sozialen Medien eine wichtige Rolle: Eine direkte Ansprache über Facebook, Instagram, TikTok und LinkedIn sowie Testimonials zum Beispiel von polnischen Alumni und Alumnae sind besonders wirksam.”

Katarzyna Kosylak ist stellvertretende Leiterin der DAAD-Außenstelle Warschau.

Porträtfoto Maximilian Weiß
Ein Schlüsselwort ist Sicherheit.
Maximilian Weiß, DAAD-Lektor an der Universität Danzig

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“Polen ist ein leistungsorientiertes Land, in dem Rankings eine wichtige Rolle spielen. Polnische Studierende verfolgen in der Regel sehr konkrete Karriereziele. Bei der Rekrutierung sollten deutsche Hochschulen deshalb nicht nur ihre fachlichen Stärken herausstellen, sondern auch, warum Verbindungen zu Deutschland in dem jeweiligen Bereich nützlich sind. Leider wird Deutsch an den meisten polnischen Schulen heute, wenn überhaupt, nur als zweite oder dritte Fremdsprache gelernt.

Persönliche Ansprechpersonen angeben

Da Kinder und Jugendliche in Polen oft sehr behütet aufwachsen, sind deutsche Hochschulen im Vorteil, die ihren internationalen Studierenden umfassende Unterstützung und Informationen anbieten, von der Anmeldung über die Wohnungssuche bis hin zur Mensakarte. Auch Sicherheit ist ein Schlüsselwort: Eine niedrige regionale Kriminalitätsrate oder Sicherheitsvorkehrungen auf dem Campus können ruhig hervorgehoben werden. Persönliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner haben große Bedeutung. Ob auf Messen, an Schulen, auf der eigenen Website oder über die Sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder LinkedIn: Wo deutsche Hochschulen für sich werben, sollten sie immer einen Kontakt angeben, an den sich die polnischen Studieninteressierten persönlich wenden können.”

Maximilian Weiß ist DAAD-Lektor an der Universität Danzig.

Porträtfoto Susanne Lindemann
Hochschulen sollten aktiv auf Schülerinnen und Schüler zugehen.
Susanne Lindemann, Fachberaterin für Deutsch als Fremdsprache in Breslau

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“Das Interesse an einem Studium in Deutschland ist in Polen etwas zurückgegangen, aber vor allem im MINT-Bereich immer noch groß. Um Studierende zu gewinnen, sollten deutsche Hochschulen schon auf Schülerinnen und Schüler aktiv zugehen. Fächerspezifische Schülerwettbewerbe sind beliebt und erzeugen Aufmerksamkeit. Die ZfA betreut in Polen landesweit mehr als hundert Schulen, an denen Deutsch einen besonders hohen Stellenwert hat. Weitere rund 250 Schulen nehmen am Projekt Deutsch Plus des Goethe-Instituts zur Stärkung von Deutsch als zweiter Fremdsprache teil. Kontakte zu Schulen vermitteln auch der polnische Deutschlehrerverband (PSNJN) und der Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG).

Wegen eines Überangebots an Onlineveranstaltungen für Studieninteressierte würde ich deutschen Hochschulen nach wie vor empfehlen, sich auch in Präsenz an Messen zu beteiligen oder zum Beispiel Studieninformationstage in Ballungsräumen anzubieten.

Wohnheimplätze und Deutschkurse wichtig

Attraktiv sind Hochschulen, die kostengünstige Wohnheimplätze bereitstellen können. Auch ein gutes Angebot an weiterführenden Deutschkursen ist besonders in den ersten beiden Semestern sehr wichtig.”

Susanne Lindemann ist Fachberaterin für Deutsch als Fremdsprache der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Breslau.

Erfahrungen polnischer Studierender in Deutschland

Rund 4.000 polnische Studierende waren im Wintersemester 2023/2024 an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Was spricht aus ihrer Sicht für Deutschland und welche Informationen haben ihnen im Vorfeld des Deutschlandaufenthalts geholfen? Zwei Interviews.

Autorin: Clara Krug

Portätfoto Joanna Litwin

© privat

Intensive Betreuung, große Praxisnähe

Joanna Litwin ist seit 2024 Masterstudierende im Fach Stadtplanung an der Technischen Hochschule Lübeck. Zuvor machte sie einen Bachelor an der Technischen Universität Warschau. Im Interview beschreibt sie, warum sie sich für ein Studium in Deutschland entschieden hat und welche Tipps sie sich im Vorfeld gewünscht hätte.

Interview lesen

Frau Litwin, warum haben Sie sich für Deutschland, den Masterstudiengang und die TH Lübeck entschieden?

Die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, fiel während meines Bachelor-Ingenieurstudiums in Warschau. Ich erhielt ein Stipendium für eine Sommerschule in Berlin und lernte so die deutsche Universitätskultur kennen. Die interaktive Art des Lernens und der direkte Kontakt zu den Dozierenden haben mich beeindruckt – und ich wollte deshalb meinen Master in Deutschland machen. Für die TH Lübeck entschied ich mich, weil mir der Studiengang mit seinem sehr praxisnahen Ansatz gefiel und ich die Stadt attraktiv fand. Lübeck erschien mir weniger hektisch als Metropolen wie Berlin.

Wie und wo haben Sie sich vorher informiert?

Hauptsächlich habe ich mich beim Internetportal hochschulkompass.de über geeignete Studiengänge informiert. Außerdem habe ich den direkten Kontakt mit verschiedenen Hochschulen gesucht. Die TH Lübeck stach für mich heraus: Ihre Website war informativ, und die Ansprechpersonen reagierten schnell und persönlich auf meine Anfragen.

Welche weiteren Informationen hätten Sie sich gewünscht, um noch besser vorbereitet zu sein?

Der Bewerbungsprozess an deutschen Hochschulen war anfangs verwirrend für mich, besonders aufgrund der Unterschiede zwischen den einzelnen Institutionen. Ich hätte es hilfreich gefunden, zu wissen, dass man am besten ein halbes Jahr vor Studienbeginn mit der Informationssuche und den ersten Schritten beginnt. Die TH Lübeck war dabei sehr unterstützend, doch ich glaube, das ist nicht überall so. Auch die Wohnungssuche war eine Herausforderung. Gerade internationale Studierende benötigen hier mehr Unterstützung.

Wie ist Ihr Eindruck vom Studium in Deutschland, was sind die größten Unterschiede zum Studium in Polen?

Der wohl größte Unterschied ist der praxisorientierte Ansatz der deutschen Hochschulen. In Polen liegt der Fokus oft auf theoretischem Wissen, während ich in Deutschland enge Zusammenarbeit mit Lehrenden und praxisnahe Projekte erlebe. An der TH Lübeck sind die Gruppen recht klein, was eine intensive Betreuung ermöglicht. Auch das studentische Leben ist anders: In Deutschland gibt es viele Möglichkeiten zum Austausch und Lernen außerhalb des Unterrichts, was mir sehr gefällt. Als DAAD-Stipendiatin habe ich außerdem Zugang zu einem großen Netzwerk und treffe Studierende aus aller Welt – das ist faszinierend und eröffnet Einblicke in völlig neue Welten.

Porträtfoto Mateusz Kowalski

© privat

Herausragendes Niveau, komplexe Bürokratie

Mateusz Kowalski absolviert sein Konzertexamen für Gitarre an der Akademie für Tonkunst Darmstadt. Zuvor studierte er an der Chopin University of Music in Warschau. Im Interview erzählt er, was ihn am Studienort Deutschland reizt und worin die größten Unterschiede zum Studium in Polen liegen.

Interview lesen

Herr Kowalski, warum haben Sie sich dafür entschieden, Ihr Konzertexamen für Gitarre an der Akademie für Tonkunst Darmstadt abzulegen?

Deutschland hat eine beeindruckende Tradition in der klassischen Musik. Vor allem in der Gitarrenmusik genießt das Land international ein herausragendes Ansehen. Ich habe an vielen Festivals und Meisterklassen weltweit teilgenommen. Das hohe Niveau der Musikszene in Deutschland hat mich besonders fasziniert. An der Hochschule in Darmstadt arbeite ich mit Professor Tilman Hoppstock zusammen, einem großartigen Musikwissenschaftler und Künstler – diese Möglichkeit war ausschlaggebend für meine Entscheidung.

Wie und wo haben Sie sich vorher informiert?

Ich habe Professor Hoppstock auf einem Festival getroffen, und durch unsere Gespräche erfuhr ich viel über die Studienmöglichkeiten in Darmstadt. Außerdem habe ich mich mit internationalen Studierenden ausgetauscht, die bereits in Deutschland studierten, was mir half, ein klares Bild zu bekommen. Wichtige Informationen erhielt ich zudem vom DAAD.

Welche weiteren Informationen hätten Sie sich gegebenenfalls gewünscht, um noch besser vorbereitet zu sein?

Ich hätte mir mehr Informationen über die bürokratischen Abläufe in Deutschland gewünscht – eine zentrale Website für internationale Studierende wäre hilfreich. Besonders wichtig sind detaillierte Anleitungen zur Einreichung von Dokumenten und anderen Formalitäten.

Wie ist Ihr Eindruck vom Studium in Deutschland, und was sind die größten Unterschiede zum Studium in Polen?

Der größte Unterschied liegt in der multikulturellen Atmosphäre. Der Austausch mit Menschen aus aller Welt bereichert ungemein. Ein weiterer Vorteil ist der starke Fokus auf fachliche Kompetenz bei der Auswahl der Professoren. Das System ist im Vergleich zu anderen Ländern wesentlich offener und transparenter. Dennoch gibt es Verbesserungspotenzial in der deutschen Bürokratie. Ich war anfangs verblüfft, dass die Digitalisierung in vielen Bereichen, auch im alltäglichen Leben, noch nicht so weit ausgebaut ist. Insgesamt schätze ich die herausragende Qualität der Ausbildung und die internationalen Chancen, die sich hier bieten.

Tipps zu Hochschulkooperationen

Was macht deutsch-polnische Hochschulprojekte erfolgreich, worin bestehen Hürden? Expertinnen und Experten mit langjährigen Erfahrungen im Austausch zwischen Deutschland und Polen geben Einblicke in ihre Arbeit und Tipps für erfolgreiche Kooperationen.

Autorin: Miriam Hoffmeyer

Porträtfoto Prof. Dr. Jürgen Wandel
Die Internationalisierung schreitet voran.
Prof. Dr. Jürgen Wandel, Direktor des Deutsch-Polnischen Akademikerforums an der SGH Warsaw School of Economics

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“Deutschland ist für Polen der wichtigste Handelspartner, während Polen auf Rang vier der Abnehmerländer für deutsche Exporte aufgestiegen ist. Entsprechend groß ist der Bedarf an akademisch qualifizierten Fachkräften mit solidem ökonomischem Fachwissen sowie Kenntnissen der deutschen Sprache und Kultur. Das deutschsprachige Studienprogramm – eine Spezialisierung für Bachelorstudierende, die die SGH in Kooperation mit der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und der Universität Duisburg-Essen anbietet – ist derzeit mit rund 150 Teilnehmenden gefragter denn je. Mit beiden Partnerhochschulen besteht ein reger Austausch.

Dynamische Atmosphäre an polnischen Hochschulen

Viele Forschende und Studierende aus Deutschland schätzen die dynamische, aufgeschlossene Atmosphäre an polnischen Hochschulen. Die Internationalisierung von Forschung und Lehre wird in der polnischen Wissenschaftspolitik forciert und die Hochschullehrenden sind sehr offen für Kooperationen. Künftig sollen die polnischen Hochschulen mehr internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest einstellen und auch neue Gastdozenturen schaffen. Das bietet Nachwuchsforschenden aus Deutschland interessante Möglichkeiten.”

Prof. Dr. Jürgen Wandel ist Direktor des Deutsch-Polnischen Akademikerforums und Inhaber des Lehrstuhls für deutsche Wirtschaft  am World Economy Research Institute der SGH Warsaw School of Economics in Warschau.

Porträtfoto Maria Szpor
Die Kulturen sind sich sehr nah.
Maria Szpor, Koordinatorin der Deutschen Rechtsschule an der Universität Warschau

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“Kenntnisse des deutschen Rechts sind in Polen wegen der engen wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen beiden Ländern sehr wertvoll. Daher gibt es nach wie vor viel Interesse an der Deutschen Rechtsschule. Das gemeinsame Projekt mit der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vermittelt polnischen Studierenden in deutscher Sprache die Grundlagen des deutschen und europäischen Zivil-, Handels- und Wirtschaftsrechts. Der Jahreskurs, den seit 1997 rund 700 Studierende absolviert haben, findet seit dem Wintersemester 2024/2025 erstmals hybrid statt, sodass Interessierte in ganz Polen teilnehmen können.

Kommunikation zunehmend auf Englisch

Zum Hintergrund gehört, dass die Zahl der polnischen Studierenden mit guten Deutschkenntnissen seit Jahren sinkt. Deutsche Hochschulen werden sich wohl darauf einstellen müssen, dass immer mehr deutsch-polnische Forschungs- und Hochschulkooperationen in englischer Sprache stattfinden werden. Ansonsten gibt es kaum Hürden für die Zusammenarbeit, grundsätzlich sind sich die Kulturen sehr nahe.”

Maria Szpor betreut die Deutsche Rechtsschule an der Universität Warschau und ist Direktorin der zugehörigen Universitätsstiftung.

Porträtfoto Dr. Elisabeth Venohr
Polnische Hochschulen nehmen eine Brückenfunktion ein.
Dr. Elisabeth Venohr, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität des Saarlandes

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“Eine Stärke der polnischen Wissenschaftslandschaft ist das fächerübergreifend große Interesse an europäischen Fragestellungen. Im Rahmen der DAAD-Ostpartnerschaften pflegt die Universität des Saarlandes sehr lebendige interdisziplinäre Kooperationen mit der Universität Warschau, der Universität Rzeszów und der Schlesischen Universität Kattowitz, die unter anderem Studierendenreisen und einen wissenschaftlichen Austausch auf allen Ebenen umfassen. Schwerpunkte sind die Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaften.

Andere Arbeitsrealität mitdenken

Polnische Hochschulen sind auch deshalb wertvolle Kooperationspartner, weil sie eine Brückenfunktion einnehmen: Viele meiner wissenschaftlichen Kontakte in Länder Osteuropas sind über polnische Kolleginnen und Kollegen erweitert worden. Auch in Deutschland weniger bekannte Hochschulen haben oft interessante, zum Beispiel grenzregionale Profile, die eine Zusammenarbeit in bestimmten Fächern sehr lohnend machen. Was man wissen sollte: Polnische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden regelmäßig anhand ihrer Publikationen evaluiert, dafür zählen aber nur die in bestimmten Verlagen und Zeitschriften. Bei gemeinsamen Forschungsprojekten sollte diese andere Arbeitsrealität von Anfang an mitgedacht werden.”

Dr. Elisabeth Venohr ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität des Saarlandes und koordiniert mehrere Kooperationen mit polnischen Hochschulen.

Deutsche und deutsch-polnische Einrichtungen

Unsere Karte verzeichnet eine Auswahl deutscher und bilateraler Anlaufstellen in Polen, die für die Zusammenarbeit in Hochschulbildung und Wissenschaft relevant sein können.

Standortkarte

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Zum Aktivieren der Karte klicken Sie auf den Button „Karte anzeigen“. Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass nach der Aktivierung Daten an OpenStreetMap übermittelt werden. Mehr dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung

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Weiterführende Informationen

Veröffentlichungen und Angebote von GATE-Germany

Für die digitale DAAD-Netzwerkkonferenz 2022 wurden kurze Überblicksvideos zu Hochschulmärkten weltweit produziert. Den Vortrag der DAAD-Außenstelle Warschau können Sie hier abrufen. Bitte beachten Sie, dass die E-Mail-Adresse am Ende der Präsentation nicht mehr aktuell ist. Die neuen Kontaktdaten finden Sie auf der Website der Außenstelle.

DAAD-Netzwerkkonferenz 2022: Ländervortrag zum Hochschulmarkt Polen

Zum Aktivieren des Videos klicken Sie bitte auf das Vorschaubild. Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass nach der Aktivierung Daten an den jeweiligen Anbieter übermittelt werden. >Auf YouTube ansehen

Dieses und alle weiteren Wissensprodukte von GATE-Germany sowie aktuelle Marketinginstrumente mit Bezug zu Polen finden Sie in unserer

Länderübersicht.

DAAD-Länderinformationen

Die Länderinformationen auf der DAAD-Website stellen Ihnen vertiefende Publikationen zum polnischen Hochschul- und Wissenschaftssystem, zu DAAD-Förderungen und zur Arbeit der DAAD-Außenstelle Warschau bereit.

Auswertungstools des DAAD zu Länder- und Mobilitätsdaten

Wissenschaft weltoffen bietet Ihnen jährlich aktualisierte Daten und Fakten zur Internationalität von Studium und Forschung in Deutschland und weltweit.

Der HSI-Monitor ist ein Informations- und Monitoringwerkzeug für Internationalisierungsdaten deutscher Hochschulen, das unter anderem auch Auswertungen nach Herkunftsländern internationaler Studierender und Forschender bereitstellt.

Programme der DAAD-Projektförderung

Hier finden Sie eine Übersicht der DAAD-Förderprogramme für Hochschulen, in denen eine Kooperation mit Polen möglich ist. Alle aktuell ausgeschriebenen Programme mit Polen als möglichem Partnerland können Sie in der Projektdatenbank einsehen.

Informationen für Outgoing-Studierende

Sie möchten Studierende Ihrer Hochschule zu einem Auslandsaufenthalt in Polen beraten? Die Kampagne “studieren weltweit” stellt sowohl länderspezifische Informationen als auch allgemeine Beratungsmaterialien für Hochschulen zur Verfügung.