"Vertrauen gewinnt, wer Sicherheit und Onboarding sichtbar macht"
Dieses Interview ist Teil unseres Länderprofils Kolumbien, das voraussichtlich Mitte Juni 2026 veröffentlicht wird und Ihnen umfassende Informationen und Tipps zum kolumbianischen Hochschulmarkt bietet.
Autorin: Clara Krug (Mai 2026)
Herr Dr. Babel, Frau Hernández, warum lohnt es sich für deutsche Hochschulen, in Kolumbien aktiv zu sein?

© DAAD
Reinhard Babel: In Kolumbien gibt es hervorragende Talente und viele Universitäten mit hoher Ausbildungsqualität. Viele Kolumbianerinnen und Kolumbianer haben in Deutschland akademisch keinerlei Anpassungsprobleme, manche sind nach einem vier- bis fünfjährigen Bachelor sogar ein Stück weiter als ihre deutschen Kommilitoninnen und Kommilitonen, wenn sie ein Masterstudium beginnen. Zweitens hat Kolumbien seit Jahren professionelle Internationalisierungsstrukturen aufgebaut. Hochschulen müssen für die Qualitätsakkreditierung Internationalisierung nachweisen, es gibt Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, die wissen, wie das funktioniert – und eine stark gelebte „Third Mission“, also einen enormen Einsatz für Wissenstransfer und gesellschaftliches Engagement. Drittens sind bestimmte Fachbereiche besonders attraktiv: das Gesundheitswesen mit praxisnahen Einblicken, Biodiversität und Felder rund um Energiewende, Umwelt und Klima sowie Friedens- und Konfliktforschung. Ein zusätzlicher Pluspunkt: Die Menschen sind außergewöhnlich offen und gastfreundlich.
Welche fachlichen und sprachlichen Qualifikationen können deutsche Hochschulen von kolumbianischen Studieninteressierten erwarten?
Reinhard Babel: Normalerweise gibt es akademisch keine Anpassungsprobleme – die Motivation kolumbianischer Studierender ist extrem hoch, weil Studium oft gesellschaftlichen Aufstieg bedeutet und Familien viel investieren. Ein zentraler Punkt ist die Sprache: Der Englischunterricht an öffentlichen Schulen ist in Kolumbien häufig schwach, an privaten Schulen aber deutlich besser. Deutsch wird vergleichsweise selten unterrichtet. Viele Studierende holen Sprachdefizite parallel zum intensiven Studium nach – teils zu Zeiten und unter Bedingungen, die wir uns kaum vorstellen können. In Deutschland bringen sie Wissen und hohe Motivation mit. Mündlich sind sie auf Englisch oder Deutsch manchmal unsicherer und interkulturell anfangs zurückhaltender; schriftlich sind sie oft stärker. Hochschulen sollten Erwartungen realistisch justieren und kolumbianische Studierende am Anfang etwas enger begleiten.
Wie schätzen Sie das aktuelle Interesse an einem Deutschlandstudium ein und wie wird es sich entwickeln?
Reinhard Babel: Deutschlands Image in Wissenschaft, Hochschulen, Industrie und Kultur ist sehr positiv und hat trotz der geopolitischen Entwicklungen wenig gelitten. Das größte Hemmnis bleibt die Sprache, daher ist der Hinweis wichtig, dass man in Deutschland auch auf Englisch studieren kann – bei gleichzeitigem Rat, Deutsch zu lernen. Der Trend ist seit Jahren positiv: Deutschland liegt konstant zwischen Platz drei und sieben der beliebtesten Zielländer.

Die Informationsbereiche zum Studium in Deutschland auf den internationalen Hochschulmessen “Study in Germany” sind stets hoch frequentiert© DAAD
Was sind konkrete Faktoren, die Deutschland für kolumbianische Studierende attraktiv machen?
Reinhard Babel: Für viele ist das gebührenfreie Studium an öffentlichen Hochschulen der Aha-Moment. Wenn man die teuren privaten Masterprogramme in Kolumbien dagegenhält, relativieren sich sogar die Lebenshaltungskosten in Deutschland. Dazu kommt ein breites Stipendienangebot – auch über den DAAD hinaus. Die Qualität der akademischen Ausbildung ist bundesweit hoch, auch an Standorten, an denen das Leben günstiger ist. Sehr stark wirken außerdem die Arbeitsmarkt- und Karriereperspektiven in bekannten Industriesektoren und die Möglichkeit, nach dem Abschluss zunächst in Deutschland Berufserfahrung zu sammeln. Und ein wichtiger Satz in unseren Beratungen lautet: Man muss kein Deutsch sprechen, um in Deutschland zu studieren – die vielen englischsprachigen Masterprogramme öffnen Türen.
Welche anderen Zielländer machen Deutschland Konkurrenz und warum?
Reinhard Babel: In den vergangenen 20 Jahren standen die USA als Studienziel unangefochten an der Spitze. Inzwischen wirken Visaunsicherheit und der Stopp der Fulbright-Stipendien deutlich bremsend. Kanada hat sich mit gutem Ruf, Stipendien und zeitweise liberalen Migrationsregeln etabliert – zuletzt wurden diese Regeln jedoch wieder restriktiver. Großbritannien bleibt wegen seiner herausragenden Reputation und aufgrund sehr guter Rankings attraktiv. In der EU ist Frankreich der wichtigste Wettbewerber, auch wegen einer von Kolumbianerinnen und Kolumbianern wahrgenommenen Sprachnähe. Spanien profitiert von der Sprache, hatte aber wiederholt Schwierigkeiten in Bezug auf die Anerkennung, etwa bei Onlineangeboten. Argentinien und Brasilien spielen wegen der regionalen und kulturellen Nähe und starker öffentlicher Hochschulen eine Rolle. Argentinien hat durch die politische Situation im Land zuletzt an Anziehungskraft verloren. Australien hat Kolumbien bereits vor rund zehn Jahren als Bildungsmarkt entdeckt und wirbt dort sehr gezielt und vertriebsorientiert. Im Mittelpunkt stand lange das Versprechen: Studium und anschließende Arbeitsmöglichkeiten „im Paket“ – teils flankiert von Incentives. Italien dagegen wirbt wenig, punktet aber durch Doppelabschlüsse mit Prestigeuniversitäten wie dem Politecnico di Torino.
Wie kann eine deutsche Hochschule kolumbianische Studieninteressierte von sich überzeugen?
Angélica Hernández: Wenn grundsätzlich Interesse an Deutschland besteht, entscheiden am Ende harte Fakten: Kosten, Praktikumsmöglichkeiten und Berufsaussichten. Viele Eltern denken dabei stark in Einkommensperspektiven. Überzeugen können vor allem deutsche Hochschulen, die konkrete Unternehmenskooperationen vorweisen und ihre Beschäftigungsquoten belastbar belegen. Rankings dienen häufig als erste Orientierung. Doch das deutsche Hochschulsystem – ohne „Pay-only“-Universitäten – ist erklärungsbedürftig. Ist dieses Grundverständnis hergestellt, rückt der konkrete Mehrwert der einzelnen Hochschule in den Vordergrund. Ebenso wichtig: Standortvorteile müssen klar benannt werden. Auf Websites gilt: weniger Textwüsten, mehr visuelle Einblicke in Studium und Alltag. Dazu gehören Videos, Bilder aus Laboren und Unternehmen sowie authentische Testimonials aus Lateinamerika, idealerweise aus Kolumbien. Ein WhatsApp-Kontakt zum International Office oder direkt zu Studiengängen kann dabei den Ausschlag geben, denn diesen Service kennt man von kolumbianischen Hochschulen.
Eltern sind zudem eine eigene Zielgruppe. Sie überzeugt, wer Sicherheit, Finanzierbarkeit, klare Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie gelebte Internationalität sichtbar macht. Ein Plus ist ein gut erkennbares Onboarding: Was passiert bei der Ankunft? Wie laufen Wohnungssuche und Behördenwege? Und für Promotionsinteressierte sollte der Weg zur Promotion – ob strukturiert oder individuell – verständlich erklärt sein.

Das Team der DAAD-Außenstelle Bogotà berät Studieninteressierte und Eltern zum Studien- und Forschungsstandort Deutschland und pflegt enge Kontakt zu kolumbianischen Hochschulen und politischen Akteuren© DAAD
Sie haben Eltern als eigene Zielgruppe angesprochen. Welche Rolle spielen sie bei der Studienwahl?
Reinhard Babel: Sie spielen – vor allem im Bachelorbereich – eine ausgesprochen große Rolle. Kolumbianische Eltern planen Bildungswege häufig früh mit, sind auf Messen sichtbar präsent und priorisieren drei Punkte: Sicherheit, Kosten und Perspektiven. Entsprechend wichtig sind für sie klare Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie ein nachvollziehbares Betreuungskonzept. Eine spürbare Willkommenskultur ist für Eltern oft sogar wichtiger als für die Studierenden selbst: Sie wollen erkennen können, dass Ankunft, Orientierung und Unterstützung mitgedacht sind. Informiert werden sie zwar über dieselben Kanäle wie ihre Kinder, orientieren sich aber stärker an offiziellen Quellen. Zusätzliche Sicherheit schaffen authentische Testimonials aus Lateinamerika, die Erfahrungen glaubwürdig einordnen.
Über welche Kanäle und Veranstaltungen können deutsche Hochschulen kolumbianische Studieninteressierte am besten erreichen?
Angélica Hernández: Kolumbien ist ausgesprochen Social-Media-affin. Instagram dominiert, Facebook bleibt – insbesondere für Eltern – relevant, und TikTok legt spürbar zu. WhatsApp ist dabei das Kommunikationsmittel schlechthin; eine gut sichtbare WhatsApp-Nummer gilt vielerorts als Standard. Entscheidend sind weniger Kanäle als erreichbare Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner – und eine verlässliche, schnelle Antwortpraxis. Gleichzeitig bleiben Präsenzmessen ein zentraler Baustein: In Bogotá ziehen sie in zwei Tagen häufig 3.000 bis 4.000 Besucherinnen und Besucher an. Der persönliche Austausch schafft Vertrauen – vorausgesetzt, es folgt ein konsequentes Follow-up. Besonders dynamisch entwickeln sich zudem Messen an Deutschen Auslandsschulen. Dabei handelt es sich um Messen, die von den Deutschen Auslandsschulen koordiniert und für deutsche Hochschulen angeboten werden. Diese haben so die Möglichkeit, ihre Angebote zu präsentieren. Die Messen werden nicht öffentlich ausgeschrieben. Bei Interesse stellt die DAAD-Außenstelle gerne Kontakte her. Ergänzend funktionieren virtuelle GATE-Germany-Formate sehr gut, etwa mit einstündigen Onlinepräsentationen. Eltern erreicht man über dieselben Kanäle; zusätzlich orientieren sie sich an offiziellen Informationsquellen wie Botschaft oder DAAD.

Bildungsmesse in Bogotà 2026© DAAD
Gibt es Unterschiede zwischen der Rekrutierung im Bachelor-, Master- oder Promotionsbereich?
Angélica Hernández: Ja, es gibt spürbare Unterschiede – vor allem in Bezug auf Motivation, Ansprache und Informationsbedarf. Rund 60 bis 70 Prozent der Anfragen zielen auf englischsprachige Masterprogramme. Bachelor, Promotionen und Forschungsaufenthalte teilen sich den verbleibenden Anteil. Im Bachelorbereich ist die Elternansprache besonders wichtig. Häufig wird zudem ein Studienkolleg nötig, wenn kein Abituräquivalent vorliegt – inzwischen gibt es dafür flexiblere Modelle, teils auch online gestützte Angebote, die den Einstieg begleiten. Masterinteressierte bringen häufiger bereits Berufserfahrung mit und fragen entsprechend stärker nach Employability, Praktika und konkreten Karriereperspektiven. Die genutzten Kanäle sind zwar ähnlich, die Tonalität unterscheidet sich jedoch: Im Bachelor stärker vertrauens- und sicherheitsorientiert, im Master stärker nutzen- und karrieregetrieben. Für Promotionen ist vor allem eines entscheidend: Die Website muss die Wege zur Promotion klar und verständlich darstellen. Fehlt diese Orientierung, werden Recherchen oft frühzeitig abgebrochen.
Welche Fragen stellen kolumbianische Studieninteressierte am häufigsten?
Angélica Hernández: Neben den grundlegenden Rahmenbedingungen rücken schnell die Perspektiven nach dem Studium in den Mittelpunkt. Eng damit verbunden sind Fragen zur Employability: Welche Arbeitsmöglichkeiten gibt es neben oder nach dem Studium? Wie sehen Erfolgs- und Übergangsquoten aus? Welche Perspektiven bestehen in Deutschland – und welche nach einer Rückkehr? In einer späteren Phase werden die Fragen praktischer: Wohnen, Welcome-Programme und die Behördenwege rücken dann deutlich stärker in den Vordergrund.
Welche kulturellen Dos und Don’ts sollten deutsche Hochschulen beachten?
Reinhard Babel: Deutsche Hochschulen sind gut beraten, in der Ansprache kolumbianischer Studieninteressierter persönlich und individuell zu kommunizieren – und Anfragen nicht mit Standardfloskeln abzufertigen. Ein höflicher, zugewandter Ton ist dabei entscheidend; ein knapp-sachlicher Stil kann schnell abweisend wirken. Hilfreich sind sichtbare Ansprechpersonen mit Namen, Foto und klarer E-Mail-Adresse – idealerweise ergänzt um einen WhatsApp-Kontakt – sowie eine verlässliche Antwortpraxis. Vereinbarte Termine sollten in der Regel mehrfach bestätigt werden, weil das als Zeichen von Verlässlichkeit gilt. Ebenso wichtig: Willkommenskultur und Onboarding sollten konkret erklärt werden, um früh Orientierung zu geben. Genauso zentral sind die Don’ts. Tabu sind Witze oder Anspielungen auf Drogen, Gewalt oder den kolumbianischen bewaffneten Konflikt – also die über Jahrzehnte andauernden innenpolitischen Auseinandersetzungen und Gewalterfahrungen, die viele Familien direkt oder indirekt betreffen. Zudem sollten Hochschulen das ausgeprägte Repräsentationsbewusstsein vieler kolumbianischer Studierender respektieren, die sich oft als Botschafterinnen und Botschafter ihres Landes verstehen. Und schließlich: Anfragen liegen lassen oder zu spät reagieren ist ein klarer Fehler – Erreichbarkeit und zügige Rückmeldungen werden erwartet.

Pre-Departure Treffen von DAAD-Stipendiatinnen und -Stipendiaten© DAAD
Welche Herausforderungen erleben kolumbianische Studierende, die sich für einen Aufenthalt in Deutschland interessieren – akademisch, organisatorisch und persönlich?
Reinhard Babel: Zu den zentralen Herausforderungen gehören zunächst Unterschiede der Studiensysteme: In Kolumbien sind häufig kontinuierliche Leistungsnachweise üblich, während in Deutschland die Bewertung oft stark auf wenige Prüfungen oder sogar eine Abschlussprüfung zuläuft. Diese Konzentration kann erheblichen Stress erzeugen. Hinzu kommen sprachliche Hürden – selbst dann, wenn die formalen Anforderungen erfüllt sind. Gerade mündlich gibt es zu Beginn oft Unsicherheiten. Deshalb sind am Anfang realistische Erwartungen und engere Begleitung sinnvoll. Ein weiterer Risikofaktor ist die Bürokratie: Wenn Zulassungen spät verschickt werden, wird es organisatorisch schnell eng. Nach der Ankunft zeigt sich zudem, dass die Betreuungsqualität je nach Hochschule und Standort stark variiert. Für viele ist nicht der akademische Workload die größte Hürde, sondern die Lebensumstellung in einem fremden Land – und das oft auf Deutsch, besonders im Bachelor. Gleichzeitig hat die psychische Belastung internationaler Studierender insgesamt zugenommen. Hochschulen, die sichtbar kommunizieren und niedrigschwellige Beratungsangebote und Buddyprogramme bereitstellen, schaffen hier spürbar mehr Sicherheit.
Sehen kolumbianische Studierende ihre Karrierechancen eher in Deutschland oder bevorzugen sie die Rückkehr nach Kolumbien (oder werden dann Drittländer attraktiver)?
Reinhard Babel: Viele bleiben nach dem Abschluss zunächst in Deutschland – um Berufserfahrung zu sammeln und finanzielle Verpflichtungen aus der Studienphase zu reduzieren – etwa Kosten für Lebensunterhalt, Umzug und Formalitäten. Mittel- bis langfristig zieht jedoch häufig die Heimat: In etwa 60 bis 70 Prozent der Fälle kehren sie zurück, sofern sich passende Chancen ergeben. Ausnahmen gibt es vor allem in besonders stark nachgefragten Fächern. „Karriere“ meint dabei nicht nur den Weg in die Industrie, sondern ebenso akademische Laufbahnen und Tätigkeiten bei internationalen Organisationen. Eine in Deutschland erworbene Promotion eröffnet in Kolumbien sehr gute Perspektiven. Drittländer spielen in diesen Überlegungen eher eine Nebenrolle.
Welche Interessen haben kolumbianische Hochschulen an Kooperationen mit deutschen Hochschulen?
Angélica Hernández: Besonders geschätzt wird eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Es geht um gemeinsame Forschung zu globalen Themen wie Biodiversität, Klima sowie Friedens- und Konfliktforschung – nicht um Belehrung oder den Zugriff auf Ressourcen. Strukturell ist Internationalisierung in Kolumbien vielerorts fest verankert: Internationalisierungsnachweise sind Teil der Akkreditierung, und die dafür aufgebauten professionellen Strukturen erleichtern Kooperationen. Hinzu kommen Interessen an Drittmitteln, Stipendien, gemeinsamen Veranstaltungen und Sichtbarkeit. Zunehmend an Bedeutung gewinnen „Internationalisation at Home“ und Doppelabschlüsse. Die Phase unverbindlicher Abkommen ohne Substanz ist weitgehend vorbei – gefragt sind strategische Partnerschaften mit klaren Inhalten und Zielen.

Campus der Universidad de los Andes, der führenden Privatuniversität Kolumbiens© DAAD
Gibt es für deutsche HAW besondere Anknüpfungspunkte in Kolumbien?
Angélica Hernández: Ja, unbedingt. Neben klassischen Forschungsuniversitäten gibt es in Kolumbien zahlreiche Institutionen, die deutschen HAWs ähneln und auch sogenannte Techniker- und Technologenabschlüsse vergeben – stark praxisorientiert, regional verankert und arbeitsmarktnah. In strukturärmeren Regionen sind sie oft echte Leuchttürme. Entsprechend groß ist das Interesse an der deutschen Verzahnung von Hochschule und Wirtschaft sowie an dualen Ansätzen. Gut aufgesetzte Kooperationen und Doppelabschlüsse können so auf beiden Seiten Fachkräftebedarfe adressieren – und dabei einen echten Mehrwert für alle Beteiligten schaffen.
Welche Rolle spielt Kolumbien im bilateralen akademischen Austausch mit Deutschland – und was macht das Land für deutsche Studierende im Rahmen solcher Kooperationen besonders attraktiv?
Angélica Hernández: Abseits von Abenteuerlust, Sprachinteresse und bestehenden Abkommen überzeugt die akademische Qualität. In der Medizin sind Einblicke in die klinische Praxis möglich, die die deutsche Ausbildung so nicht bietet. Für Biologie, Umwelt-, Klima- und Energieforschung bietet Kolumbien als eines der artenreichsten Länder einzigartige Zugänge, inklusive entlegener Regionen wie dem Amazonas. Friedens- und Konfliktforschung findet in aktueller gesellschaftlicher Realität statt. Die Betreuungskultur ist engmaschig; die sogenannten „Semilleros de Investigación“, bei denen es sich um Forschungsgruppen handelt, binden schon Bachelorstudierende in echte Forschung ein, bis hin zu Co-Autorenschaften. Menschlich überzeugen Offenheit und Gastfreundschaft: Internationale Studierende werden willkommen geheißen und schnell integriert. Anerkennungen funktionieren in der Regel gut, Visaprozesse sind vergleichsweise unkompliziert, und das klar verständliche Spanisch – besonders in Bogotá – erleichtert den Einstieg.
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